LASST
BILDER SPRECHEN
Fotoausstellung
setzt sich mit Völkerverständigung auseinander
Auf
dem Foto sieht man zwei ausländische Kinder, isoliert,
dahinter verkommene Backsteinmauern. Fast wirken die Armut
und Hinterhofatmosphäre, in der die Kinder aufwachsen, wie
ein Klischee und doch spiegelt es die Realität wieder. Ausländerkinder
und ihr Alltag – nur einer der vielfältigen Aspekte der
Fotoausstellung Molla Demirels, die vom 18. bis zum 30.
September im C.U.B.A., Achtermannstrasse, stattfinden wird.
Der Künstler befasst sich in seinen Bildern vor allem mit
dem Thema „Völkerverständigung“. Das Verhältnis Ausländer
– Deutsche wird in den unterschiedlichsten Situationen
dargestellt.
Die
Fotos beleuchten ausdrucksstark das alltägliche Leben von
Ausländern in der Bundesrepublik, angefangen bei den
Kindern in der Schule bis hin zu den Verhältnissen und
Problemen, mit denen Ausländer an ihren Arbeitsplätzen
konfrontiert werden.
Als
Vater von drei Kindern kennt Demirel die Probleme ausländischer
Familien und die Situation von Kindern nur zu gut, konnte er
doch am eigenen Leibe Schwierigkeiten mit den Behörden
erleben, etwa bei der Suche nach Arbeits- oder Schulplätzen.
Eine
passende Ergänzung finden die Fotographien in ihren
Bildunterschriften. Hier werden Texte von Berthold Brecht,
Hermann Hesse, Nazin Hikmet, Pablo Neruda und anderen
zitiert.
Molla
Demirel macht mit seiner Fotoausstellung des Versuch, alle
Menschen einander näherzubringen, unabhängig von ihrer
Nationalität. „Ich bin kein Nationalist“, betont er.
Der Kurde befasst sich nicht nur mit den Angelegenheiten
seiner türkischen Landsleute, sondern spricht ganz
allgemein die Probleme von Minderheiten in der
Bundesrepublik an.
„Die
Menschen kennen einander zu wenig, aus Angst voreinander
ziehen sie sich zurück, und so entstehen dann die
Vorurteile“, erklärt Molla Demirel. „Vorurteile können
nur dann beseitigt werden, wenn sich Menschen kennenlernen,
sich näherkommen“
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MOLLA
DEMIREL
Fotograf
/ Autor / Wissenschaftler
Molla
Demirel ist 1948 in der Türkei geboren und ist kurdischer
Abstammung. In seinem Heimatland studierte er türkische
Literatur. 1972 kam er in die Bundesrepublik und wendete
sich dem Studium des Sozialwesens, Fachrichtung Ausländerfragen,
zu. Aber auch bei seiner täglichen Arbeit in einer großen
Chemiefabrik hat Molla Demirel einige Erfahrungen mit den
Deutschen gesammelt, sie richtig kennengelernt. In seiner
Freizeit übernimmt er ehrenamtlich die Beratung für Ausländer
bei der EKSG (ev./Kath. Studentengemeinde) und findet überdies
auch noch die Zeit, zu fotografieren und zu schreiben.
Molla
Demirel ist Autor von zwei Büchern. Das 1987 erschienene
„Zwischen den Mühlsteinen“ setzt sich mit der Ausländerproblematik
auseinander.
Es
folgt einem in der Türkei geschriebenen Werk, dessen Übersetzung
„Ein weiter Weg“ lauten könnte. Dieses für den türkischen
Menschenrechtsverein verfasste Buch beinhaltete schon damals
das Thema Frieden und Völkerverständigung sowie soziale
Probleme.
Der
engagierte Künstler hat in der Bundesrepublik schon mehrere
Fotoausstellungen bestritten. Sie behandelten Themen wie
„Türkei – Heimatland oder Urlaubsland?“, „Mensch
und Natur“ und „Leben in der BRD“. Die aktuelle
Ausstellung trägt den provozierenden Titel „Auch wir
leben in Deutschland“. Das macht neugierig und bietet
sicher Grund genug, einmal hinter die Kulissen türkischen
Lebens in der Bundesrepublik zu gucken.
VERANSTALTUNGSORT
C.U.B.A.
Im
C.U.B.A. werden des öfteren Malerei- oder Fotoausstellungen
gestaltet. Thomas Lamers, der Organisator, gab Auskunft über
weitere Ausstellungen. So seien etwa in Zukunft Bilder und
Zeichnungen eines weiteren Künstlers, Fotos über Chile und
Alltagsfotographien geplant. Die Werke Demirels zögen als
Wanderausstellung durch das ganze Bundesgebiet. Anschließend
an die Präsentation in Münster kann man sie in Gronau
besichtigen. Doch so weit sind wir noch nicht. Die
Fotoausstellung Molla Demirels wird am Montag, den 18.
September im C.U.B.A., Achtermannstraße, um 17 Uhr eröffnet.
Gemeinsam mit dem Flüchtlingsrat Münster organisiert,
bildet sie einen der Programmpunkte in der „Woche des ausländischen
Mitbürgers“ vom 23. bis zum 30. September.
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WOCHE
DES AUSLÄNDISCHEN MITBÜRGERS 23. – 30. SEPTEMBER
Während
der „Woche des ausländischen Mitbürgers“ werden auch
in diesem Jahr wieder Wohlfahrtsverbände, christliche
Organisationen und in der Ausländerfrage engagierte Kreise
aktiv. Tagungen,
Diskussionen, Filmvorführungen und Informationsstände sind
nur einige der angebotenen Veranstaltungen.
Angela
Tieben vom Diözesan-Caritas-verband hält auch besonders
die Unternehmungen in den einzelnen Pfarrgemeinden für sehr
wichtig: „Ziel der Woche des ausländischen Mitbürgers
ist es, die Öffentlichkeit auf die Probleme von Ausländern
und Asylanten hinzuweisen“. Angela Tieben, die im
Asylbewerberbereich tätig ist, wünscht sich, dass Leute so
motiviert werden, Kontakt mit ausländischen Familien zu knüpfen,
sich mit deren Problemen überhaupt zu beschäftigen.
Das
könne am besten „vor Ort“, d.h. in den einzelnen
Gemeinden und in kleinen Gruppen geschehen. „Sonst kommen
nur die zu den Veranstaltungen, die sowieso schon engagiert
sind – die anderen wollen ohnedies nichts davon hören“.
Rund
um Münster vom 20.09.89
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Zürück <---------------------------
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