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Wie gejagte Tauben

-Wo steht der Mensch? - 

Die Sonne senkte sich über der Stadt, bedeckte sie mit den Farben einer untergehenden Sonne. Mit dem Rauch, der Aufstieg aus den Schornsteinen der Häuser, vollführten ihre Strahlen eine Umarmung am Rande des noch bläulichen Himmels, gleich den Bildern eines dahingleitenden Pinsels in den Händen eines talentierten Malers. Monika fing an das Gemüse zu schneiden, nicht sicher, was sie sonst tun könnte, zudem mit dem Zwang ein Abendmahl kochen zu müssen. Getrieben von dem Gefühl der Einsamkeit glitten ihre Augen jedoch über das Gemüse hinweg aus dem Fenster, wieder und wieder. Einem Betrachter wäre sie wie ein einsam im seinem Nest hockender, beobachtender Vogel vorgekommen. Ein tiefer Seufzer war in ihrer Küche zu hören, an seinem Ende übertönt von den Tönen ihrer Klingel. Auf dem Weg zu ihrer Tür überkam sie der plötzliche Gedanke, daß sie wohl doch noch Freunde besitze. "Warum eigentlich fühle ich mich in letzter zeit immer so ausgeschlossen", brummte sie vor sich her, auf dem Weg zur Tür.

Lange hielt sie den Türöffner gedrückt, sein Summton war durch das ganze Treppenhaus zu hören. Mit dem Aufschlagen der Haustür erhörte sie an den Schritten des Kommenden, daß der Gast Petra sein würde. Ohne sich anzumelden, ohne eine Verabredung war sie mal wieder gekommen, doch das störte sie bei Petra nicht, mehr noch, bei ihr freute sie sich. Petra war die Freundin, die sie oft besuchte, oft mit ihr telefoniert. Die einzige.

Eine Umarmung, dann gingen sie in die Küche. Petra begann beim zubereiten zu helfen, sie sprachen über den Tag, alles und jeden. Auf einmal schwiegen sie beide, es wurde still im Raum. Eine Minute, zwei Minuten.

Die Stille ergreifend, entschied sich Petra, den Grund ihres Kommens anzusprechen.

"Monika, hast du heute Abend etwas vor?"

"Nein, ich bin zu Hause. Wenn du willst, können wir uns treffen."

"Ich habe eine Bitte an dich."

"Eine Bitte?"

" Ja, eine Bitte. Müslüm und ich wollten heute abend ins Kino gehen. Können wir Rose bei dir lassen? Sag` bitte ja. Ich habe doch sonst niemanden."

"Wer kann so eine liebe Bitte schon abschlagen? Aber der Mann, mit dem du in letzter Zeit so häufig zusammen bist... Der Mann ist Ausländer, und schwarz ist er auch."

"Ist es eine Schande Ausländer und dunkelhäutig zu sein?"

"Laß den Quatsch! Müslüm mag ja nett und lieb sein, aber es gibt nun einmal Regeln, die jede Gesellschaft aufstellt und an die man sich zu halten hat. Sich gegen diese Regeln zu wehren, mach alles nur noch schwerer. Alle, die du gern hast, all deine Nächsten werden dich ausgrenzen. Und zwar nicht nur dich, sondern auch dein Kind, wird man ausgegrenzen. Es wird sehr viel Leid ertragen müssen."

"Jetzt, hör aber auf. Schau, du ich und ich, und alle weißen haben zwei Arme, zwei Beine und zwei Augen. Wir haben alle rotes Blut. Auch die dunkelhäutigen Menschen haben rotes Blut und zwei Arme, zwei Beine und zwei Augen. Auch sie denken mit ihrem Gehirn und arbeiten mit ihren Händen.“

Monika wendet sich an  Petra.

„Ich will keine Diskussionen !“

Petra wendet sich an Monika und fließt von ihre Mund diesen  Zeilen:

„Sag mein Liebe,                              

sag mein Engel,

wieso leben die Menschen nicht

wie die Vögel wie die Blumen

geschwisterlich zusammen..."

 

"Die Menschheit und die Welt kann man nicht mit die Gedichten zeichnen. Gott gab sich aber bei der Erschaffung der Weißen mehr Mühe!"

" Erzähl doch keinen Schund! Die Heimatländer der sogenannten Ausländer haben die schönste Natur, Sonne und Meer. Wir träumen doch alle von einem Urlaub in Afrika oder Asien. Die Menschen in Tunesien und Marokko, also in den Ländern, in denen wir unseren Urlaub verbringen, sind schwarz. Du meinst doch nicht im Ernst, daß Gott einen Unterschied zwischen den Menschen macht. Für dich sind doch auch alle deine Kinder gleich!"

"Wir beide können aber nun mal die Gesellschaft nicht ändern. In unserem Haus ist eine Wohnung freigeworden. Der Vermieter wollte die Wohnung an einen jungen türkischen Ingenieur, der hier geboren und aufgewachsen ist, vermieten. Aber die anderen Mieter stellten sich alle dagegen und der Vermieter gab ihm dann die Wohnung nicht."

"Das ist doch lächerlich. Das grenzt ja an Rassismus. Millionen von Europäern verbringen Jahr für Jahr ihren Urlaub in der Türkei, schauen sich antike Sehenswürdigkeiten an, schwimmen in dem Meer und erholen sich in der sauberen Natur. Die Frauen, die du nur auf ihr Kopftuch reduzierst, nehmen dich als Gast in ihrem Haus auf und bieten dir ihr selbstgebackenes Fladenbrot mit ihrem Herzen an. Die Gastfreundlichkeit der Türken ist bereits seit Jahrhunderten in aller Munde. Noch dazu war die Türkei das einzige Land in beiden Weltkriegen, das uns unterstützt hat."

"Ich wusste nicht, dass du Geschichte Studiert hast. Na, fehlt noch, daß du sie über uns Multikulturellen Europäer stellst. Kaum bist du in einen schwarzen Mann verliebt, und schon beschuldigst du uns alle des Rassismus."

"Es waren die ausländischen Migranten, die die Schornsteine der Fabriken erhöhten, die diese Gebäude bauten. Die Straßen sind mit deren Schweiß gepflastert. Wie kannst du nur übersehen, daß sie unseren Wohlstand mit aufgebaut haben."

"Wenn sie doch so fleißig und begabt sind, dann sollten sie erst einmal ihr eigenes Land aufbauen..."

"Das liegt doch nicht in deren Verantwortungsbereich. Das ist die Staatspolitik."

"Ich habe keine Lust weiter darüber zu reden. Es war nur gut gemeint. Ich habe nur Angst, daß dir etwas zustoßen könnte. Laß Rose bei mir und geh` ins Kino. Du kannst sie morgen abholen. Aber du solltest noch einmal darüber nachdenken."

"Ja, danke. Aber du solltest auch über die Dinge, die ich dir erzählte, nachdenken. Stell dich nicht auf die gleiche Stufe wie die Rassisten. Wir sprechen uns später."

"Petra schau, das Haus gegenüber. Es brennt. Ruf die Feuerwehr. Das Feuer wird noch auf unser Haus über springen. Oh, mein Gott."

"Die Rassisten, die Rassisten, gestern noch verbrannten sie Bücher, und heute Menschen."

"Weist du jetzt, was ich gemeint habe. In dem Haus da wohnen nur Ausländer."

"Laß die Geschwätzigkeit und lass uns besser helfen gehen!"

"Bist du verrückt, Petra?"

"Wenn wir denen nicht helfen, dann wird man morgen mich und übermorgen dich verbrennen und es wird keinen mehr geben, der uns helfen könnte ..."

" Noch dazu, schau auf die Straße, wo du auch hinschaust, nur schwarze Männer. Die  Gewöhnung fällt schwer..."

Petra Schaut in die Augen von Monika und murmelt:

 

" Sag mein Kleines, Sag mein Rose,

wieso legen sie nicht

ihr Herz in die Waagschale

stehen sie auf der Seite

des Friedens oder des Krieges

der Liebe oder des Hasses

auf welcher Seite stehen die Menschen?"

 

Petra rannte zum Telefon, danach nach draußen, Rose direkt ihr nach. Innerhalb wenigster Minuten war die Rettungsmannschaft schon zur Stelle, bedeckten die Flammen mit riesigsten Strahlen voll Wasser, weißem Schaum. In das unter Flammen gesetzte Haus springend, holten sie alle raus. Auf der Straße bis auf die Ausländer des Viertels, die Feuerwehrmänner und höchstens fünf Deutsche ( ich verstehe diesen Satz nicht). Von dort, wo diese standen, waren sie zu sehen, die anderen Nachbarn, hinter ihren Gardinen stehend und das brennende Haus interessiert beobachtend.

Petra hob ihren Kopf zu den Fenstern, blickte vom Anfang bis zum Ende der Straße in all die Fenster, hinter denen sie standen. "Das soll das Volk der Menschenrechte sein?" kam es laut aus ihr heraus.

Als das Feuer gelöscht war, gingen sie wieder zurück in ihr Haus, wieder war es Petra, die das Schweigen brach.

"Was wollen die Menschen nur voneinander? Wir alle verdienen unser Geld durch harte Arbeit, warum können sie die anderen nicht in Ruhe lassen, in Frieden brüderlich zusammen leben?"

" Meinst du, werde die Wellt sich Verändern, wie, geschwisterlich?" Nicht verständlich!

"Ja, richtig, wieso leben die Menschen nicht wie die Vögel wie die Blumen geschwisterlich zusammen. Wenn die Menschen heute hungrig schlafen, verletzt und in Schmerzen liegen, wenn Kinder im Blut liegen und wie gejagte Tauben um sich schlagen, kann es keinen Frieden geben in dieser Gesellschaft, in dieser Welt. Wenn manche sich in Reichtum sonnen und andere sich in Armut wälzen, muß sich doch der Irrsinn ausbreiten. Dagegen hilft kein Pop, kein Rock, keine Kirchenmusik, nicht die Glocken der Kirchen und auch nicht die Gebetsrufe aus den Moscheen. All das wandelt sich in Kugeln und fließt in die Herzen. Haß und Blindheit bringen die Menschen dazu, sich gegenseitig zu töten..."

"Jetzt mach aber mal eine Pause."

"Du mußt dich doch nur umschauen. Dann siehst du, daß Rassismus und blinder Aberglauben und alte Traditionen diese Lieblosigkeit und dieses Durcheinander verursachen. Dieses Chaos! Demonstrationen! Drohbriefe! Glauben, der uns durch vierzig teilt! Das ist doch alles nur das Ergebnis von blindem Aberglauben und Überlieferungen!

Faxgeräte, Computer, Farbfernseher können dir nicht die Einsamkeit in deinem Zimmer, in deinem Herzen nehmen!

Wenn es so weiter geht, werden sich Weiße, Schwarze, Inländer und Ausländer in dem gleichen Schmerz, in dem gleichen Dreck wälzen..."

"Gegen Jahrhunderte alte Überlieferung zu rebellieren bringt überhaupt nichts. Du kannst nicht aus dem Schwarzen, der jahrhundertelang Sklave war, einen Herren machen. Selbst wenn du es versuchst, wird die Gesellschaft das verhindern. Du versuchst gegen die Gesellschaft zu rebellieren."

"Meinst du, daß das so bleiben sollte, nur weil es schon immer so war? Nimm es dem Armen und gib es dem Reichen. Nimm es dem Reichen und steck es in die eigene Tasche. Lass die Tugend versiegen und wende dich der Sünde zu."

"Du hast dich verändert, seitdem du den Ausländer kennen gelernt hast. Du hast dich sehr verändert.  Du solltest dich von ihm trennen und zumindest für einige Zeit weggehen. Vielleicht wird dir das helfen, wieder zu dir zu kommen."

"Was ist das den für ein Einwand? Was für ein Chaos? Was soll man zu dem was herrscht, was gemacht wird, sagen?  Jedemenge Sorgen! Rebellion zu Hause! Rebellion in der Stadt! Rebellion gegen das Leben! Rebellion gegen die, die die Liebe verbieten!"

"Wir sollten das Thema besser schließen und ein Glas Bier trinken."

"Schau runter auf den Spielplatz. Schau dir die hübschen Kinder auf der Schaukel und auf der Rutsche an. Sie haben schwarze und blonde Haare, sie haben blaue, dunklen und rehbraune Augen. Einer hübscher als der andere, sie sind die schönen Steine eines schönen Mosaiks. Ohne den Einfluß der Erwachsenen würden sie ohne eine Trennung von Sprache und Rasse zu machen, zu Schmetterlingen zusammen schmelzen und zusammen fliegen. Glücklich..."

"Wir waren auch Kinder. Wir haben nur deshalb keine Trennung machen können, weil wir das Gute vom Bösen nicht trennen konnten."

"Wir waren damals aber alle glücklich. Jetzt sind alle unglücklich, weil sie alle vorbelastet sind. Kinder finden draußen ihre Freiheit und ihr Glück. In den Familien und in der Schule sind sie unglücklich. Insbesondere die Kinder von Migranten. Denn in der Klasse, in den Behörden werden sie einer ernsthaften Kontrolle unterzogen. Dabei haben wir alle salzige Tränen und rotes Blut, das durch unsere Adern fließt. Auf den Flügeln von Vögeln schicke ich ihnen meine Küsse, im Namen aller Propheten wünsche ich ihnen alles Gute..."

"Gott möge dir helfen, du wirst noch einiges erleben."

"Wenn ich die Heiligen Schriften lese, denke ich manchmal, daß Gott die Gebete nur in eigenem Sinn entsandt hat. Die meisten Gebote oder Befehle verletzen mich als Frau wie die Gesetze der Herrscher. Ich verstehe nicht, weshalb es diese Trennung gibt. Jeder Mensch ist doch nur zu Besuch auf dieser Erde, die Erde ist das einzige, das bleibt."

"Na, jetzt mischst du dich auch noch in Gottes Angelegenheiten ein. Meinst du nicht, daß das ein bißchen viel wird?"

"Schau sie dir an, die schwarzhaarigen und blonden Kinder. Hier der Mustafa, mit den kohlschwarzen Augen. Er ist in Roses Klasse. Er hat Noten, nur aus Liebe gemacht. Wie ein Teppich sind sie in seinem Herzen gewebt. Ich lausche ihm manchmal, er redet wie ein Gedicht..."

"Du bist wirklich verrückt. Es ist schwer dich zu verstehen."

"Es gibt zwei Dinge, zwei Ansichten in der Gesellschaft, die zu verstehen und nicht zu verstehen sind. Bei einigen wird die Liebe und das Verhalten durch Traditionen beeinflußt. Bei anderen wiederum ist es das Herz. Ein Kampf zwischen zwei Klassen, zwischen zwei Fronten. Manche Kinder haben nicht einmal Nudeln zum Essen, anderen wiederum kann man nichts Recht machen. Es ist wie das Spiel der Gezeiten. Ebbe und Flut..."

"Das Feuer der Liebe hat deinen ganzen Körper bedeckt. Deswegen, möchtest Du keine Person anhören und  verstehen."

Sie hat  die Löffel aus de ihrer Hand auf Tisch geschmissen.  Dann sagt sie:

 

Sag meine Rose,

mein Herz ist verbunden mit der Liebe, dem Frieden

auf welcher Seite steht das Menschenherz,

das die Fische im Wasser

die Vögel am Himmel

den Samen in der Erde

diese wunderbaren Blumen

vernichtet?

Steht es auf der Seite des Friedens oder des Krieges ?

 

Monika merkt, dass Petra  sehr traurig ist. Sie versucht sie wieder zu beruhigen:

"Wie wäre es, wenn ich die Gläser mit Bier fülle und Musik auflege..."

"Ja, das wäre gut. Musik ist der Schlüssel zu dem Herzen, Musik ist die Sprache der Liebe."

"Du solltest die Liebe besser vergessen. Du machst uns noch alle krank damit."

"Das hätte ich niemals von dir erwartet, Monika. Ich hatte dich immer so gern, aber ich muß mich doch nicht für meine Liebe schämen."

"Wenn ich dich nicht auch gern hätte, würde ich dir so etwas nicht sagen. Wir können nicht gegen den Strom schwimmen. Die Gesellschaft ist wie der Strom, die Regeln sind unantastbar. Wenn du gegen sie verstößt, wird sie dich ohne mit der Wimper zu zucken verbrennen. Egal wie sehr sie auch behaupte eine mulikulturelle Gesellschaft zu sein, Fremde werden eben schwer akzeptiert. Schau selbst die Völker, die jahrhundertelang zusammen lebten, morden sich gegenseitig. Wie tolerant können dann Völker sein, die gerade seit dreißig Jahren zusammen gekommen sind? Diese sogenannte mulikulturelle Gesellschaft ist für den Europäer nur ein Ausdruck ohne einen eigentlichen Sinn zu  haben. Es ist noch nicht reif für das Zusammenleben mit einem andersfarbigen Menschen und einer anderen Kultur. Meiner Meinung nach kann heutzutage ein Zusammenleben von Weißen und Schwarzen noch nicht im Einklang stehen..."

"Das ist doch Rassismus! Das ist unverschämt. Warum glaubt ihr nicht, daß blond, schwarz, weißhäutig, blau- und Schwarzaugig..."

" Ich habe früher nie geglaubt, wenn man sagte, Liebe macht blind..."

"Ich bin verliebt in die Liebe, in die Achtung und Aufrichtigkeit. Ohne dies kann ich nicht einmal mehr den Morgen lieben, meine Süße. Ohne ihn bin ich wie Asche, der das Feuer ausgegangen ist.

Nach diesen Satz atmet sie einmal ganz tief durch und spricht dann weiter:

"Ein Dichter hat das in einigen Sätzen so ausgedrückt:

Sag mein Engel

wieso leben die Menschen nicht

fleißig wie die Ameisen

geschwisterlich wie die Bienen

in diesem großen Bienenkorb der Erde

zusammen?

 

In dieser Geschichte steht meine ganzen Gefühle. Wenn unterschiedliche Sprachen, Farben und Kulturen miteinander leben ist das wie ein Garten mit tausenden von Blumen,  mit tausenden von Fruchtbäumen. Jede einzelne hat einen einzigartigen Geschmack, einen unvergeßlichen einzigartigen Duft. Die Kinder wissen das. Aber irgendwann zerstören wir sie dann, genauso wie wir die Erde zerstören..."

 

 

Molla Demirel

 


 

Meine Heimat, die blaue Unendlichkeit

 

Ein alter Mann mit weißen Bart,

zeichnete in meinem Traum

die Grenzen meiner Heimat

sie begann in dem Blau des Himmels

und endete mit dem blauen Himmel,

die Grenzen meiner Heimat

 

ich fand mich wieder in Afrika,

mein Teint schwarz,

meine Augen schwarz,

ich lief durch die Wälder,

wie ein junges unbändiges Fohlen

 

angekommen in Europa,

fiel mein blondes Haar auf meine Schultern,

färbten sich meine Augen meerblau

 

wie ein Orkan wandte ich mich Asien zu,

in der Sommerwärme tauchte ich wie ein Kranich

hinab in die Gewässer des Euphrat,

die Flügel des Rheins bot ich Tigris an,

spazierte durch Weizen- und Baumwollfelder,

belebt durch Kinder mit kastanienbraunen Augen

von jungen Mädchen bekam ich

Küsschen mit frischem Pfirsichgeschmack

 

Ich übergab mich dem Wind,

dieser brachte mich zu den Indianern

mein Teint glänzte wie Gold,

und staunte nur über die Taten der weißen Amerikaner

 

gespannt in dem Liebespfeil einer Indianerin flog ich nach Australien

dort trafen sich alle Weltmeere

ein Glück, eine Fröhlichkeit überkam mich

 

als ich erwachte,

war weder der alte Mann,

noch die junge Indianerin da, die mir das Herz geraubt hatte

 

aber nun wusste ich,

meine Heimat ist überall dort, wo die Sonnenstrahlen hingelangen,

die Grenzen meiner Heimat

beginnen in dem Blau des Himmels

und enden in dem blauen Himmel

schwarz

weiß

rot und

gelb bin ich

nun weiß ich

meine Rasse ist Mensch

meine Religion ist Liebe und Toleranz

 

 

 

Ich gebe Dich nicht Fremden

 

Sevgi saß allein in der Beratungsstelle. Draußen war der Himmel mit Wolken bedeckt. Ihr Herz 

wurde durch das trübe Wetter mit Unbehagen gefüllt. Sie zeichnete irgendwelche Figuren auf den 

Kalender, der vor ihr auf dem Tisch lag. Ihre Augen und Ohren waren an der Tür. Sie hoffte, 

dass jemand kam und sie von diesem unbehaglichen Gefühl und der Einsamkeit befreit wurde.

Feride öffnete langsam die Tür und kam herein. Ohne zu grüßen, setzte sie sich gleich auf den 

ersten Stuhl. Wie das Wasser einer geöffneten Schleuse flossen ihr die Tränen aus den Augen. 

Sie versuchte sich die Tränen mit dem Tuch, dass sie um ihren Kopf gebunden hatte, abzuwischen

 und sie vor Sevgi zu verheimlichen. Aber vergeblich, denn Sevgi beobachtete das Geschehen, 

während sie weiterzeichnete, durch ihr dunkelblondes Haar, das in ihr Gesicht gefallen war. Sie 

sollte sich ausweinen, das würde sie beruhigen und anschließend könnte man sich dann in Ruhe 

unterhalten, überlegte sie.

"Ach, wenn ich doch auch nur so schluchzend weinen könnte. Vielleicht würde mich das dann von

meinem Unbehagen erlösen. Ich kann es nicht. Manche Menschen sind wie Theaterschauspieler, 

sie können weinen und lachen, wann immer sie es möchten. Wann habe ich denn das letzte Mal 

geweint?" Nach diesem leisen Murmeln, nahm sie ihr Haar in die Hand und wickelte es um ihren 

Finger. Sie versuchte sich an vergangene Tage zu erinnern. Das Bild des braungebrannten jungen 

Mannes aus Urfa mit dem Adlerblick glitt am Fenster vorbei und stellte sich vor sie.

"Ach, mein Liebling, schon wieder du? Mein kurdischer Mustafa, als ich deine Todesnachricht 

erhielt, weiß ich nicht, wie viel Wochen, wie viel Monate, wie viel Tage und Nächte ich geweint 

habe. Ich habe aber nun einen Strich unter das Weinen, den vergangenen Erinnerungen und den 

mit Liebe gefüllten Tagen gezogen.

Vielleicht ist Weinen das Ergebnis von Hilflosigkeit und Schwäche. Verzeih mir.

Die Entmutigung und dich habe ich aus meinem Heft radiert. Aber die Einsamkeit bedrückt mich. 

Bedrücken ist einfach gesagt. Ich habe Angst, wenn ich allein bin.

Wie sehr wollte ich damals die Einsamkeit, um in Ruhe weinen zu können. Aber ich weine nicht 

mehr. Ich denke ab und zu an dich. Was hattest du damals gesagt?

”Liebe ist nur in unserem Herzen Liebe. Wenn der Mensch sie sich vorstellt, beteiligt man sich an 

etwas und wird für den Moment schaffend. Wenn man erschaffend ist, verliebt man sich. 

Jemanden zu lieben, ist eigentlich nichts anderes als sich einem anderen geliebt zu machen.”

” Ja, das hast du gesagt. Wenn ich doch zu weinen vergessen habe, habe ich dich wirklich geliebt, 

hast du mich geliebt oder haben wir uns, wie du betont hast, selbst geliebt?

Ich stelle mir oft diese Frage. Ich finde die Antwort nicht. Komm' doch eines Nachts in mein 

Zimmer. Löse diese Verworrenheit in meinem Kopf. Bring mich von neuem in die Helligkeit ..." 

sagte sie. Sie holte sich eine Schachtel Zigaretten aus ihrer Schublade.

Sie wollte gerade Feride eine Zigarette anbieten, erinnerte sich aber daran, wie sehr Feride 

Rauchen hasste und zog ihre Hand, wie wenn sie sie von einem Feuer zurückziehen würde, 

zurück. Sie nahm einen tiefen Zug. Den Rauch pustete sie gegen das Fenster. Der Rauch 

hinterließ einen Grauschleier an der Scheibe, danach verwandelte sich der Rauch in verschiedene 

Formen. Eine der Formen erinnerte sie an einen weglaufenden Hirschen.

"Es besteht eine Ähnlichkeit zwischen einem Hirschen, der von Berg zu Berg läuft, um zu 

überleben, und den Menschen, die vor ihren Sorgen weglaufen und die, um sich ihr Brot 

verdienen zu können, von Land zu Land, von Stadt zu Stadt ziehen." dachte sie.

Sie schaute noch einmal zum Fenster und lächelte als sie das Bild des Hirschen nicht mehr sehen 

konnte.

"Unsere Ahnen sagten nicht umsonst 'Aus Eis wird keine Villa' ", murmelt sie.

Sie zerdrückte ihre Zigarette im Aschenbecher. Sie stand auf und ging zu Feride. Sie legte ihre 

Hände auf Ferides Schulter und massierte sie leicht. Das Kopftuch stellt ein Hindernis für ihre 

Hände dar, sie zog es von Ferides Kopf runter und ließ es auf ihre Schultern fallen. Sie streichelte 

mit einem mütterlichen Verhalten über Ferides schwarzes, glänzendes Haar. Sie bemerkte zum 

ersten Mal, dass unter diesem dunklen Haar ein sehr hübsches und einem lieblichen Gesicht eines 

Kindes gleichendes Gesicht steckte.

"Was fegen diese Fetzen deine Schönheit hinweg? Du achtest nicht auf dein Aussehen, du siehst 

aus, wie eine Bettlerfrau ", wollte sie sagen, doch sie bemerkte wie die Tropfen, die silbern 

glänzten, auf ihrer Wange runterrollten. Sie schluckte. Mit ihrer Hand wischte sie Ferides Tränen 

weg.

" Hör auf zu weinen, sage mir doch was dich so bedrückt." 

"Was mich bedrückt, Schwester ? Meine Ehe geht in die Brüche. Die Männer sind doch alle so 

undankbar. Eine Hure hat dem Mann den Kopf verdreht. Was sie hat, habe ich auch. Wenn es 

ihm gelüstet, zieht er mich ins Bett, oder beschimpft oder schlägt mich. Soviel ich kann, diene ich 

ihm. Was möchte er denn mehr. Was hat dieses deutsche Weibsstück mehr als ich?"

"Halte mal Feride! Rede offen, mein Liebling. Warum geht deine Ehe kaputt. Möchte dein Mann 

sich von dir scheiden lassen?"

"Nein, nein, das hat er nicht gesagt, aber ich habe es mit eigenen Augen gesehen. Mitten in der 

Stadt hat er dieses Weibsstück geküsst, ich habe es mit eigenen Augen gesehen..."  

"Warum regst du dich denn so auf, was ist denn dabei? Es könnte doch eine Verwandte oder 

Freundin gewesen sein, die du nicht kennst oder eine Verwandte eines guten Freundes." 

"Du bringst aber neue Sitten ins alte Dorf. Seit wann kann sich eine Frau mit einem Bekannten, 

mit einem Arbeitskollegen küssen, gibt’s diese Bedingung im Islam? Sagt man denn nicht, Feuer 

und Streichhölzer können nicht zusammenstehen. Zudem kommt er in letzter Zeit sehr spät nach 

Hause. Auch im Bett rührt er mich nicht soviel wie früher an. Dem Mann ist der Kopf verdreht. 

Ich versuche mich zu nähern und tut so als ob er es nicht bemerkt. Zudem reden auch schon 

einige Bekannte. Sie sagen, er habe eine Geliebte. Ich habe es zuerst nicht geglaubt, aber ich 

habe es doch nun mit eigenen Augen gesehen, Schwester. Ich sagte doch, sie haben sich mitten 

in der Stadt geküsst, Weißt du was ich in dem Moment gefühlt habe. Der Erdboden hätte sich 

auftun und mich in sich vergraben sollen. Die Augen sollen ihnen rausfallen, diesen undankbaren 

Männern... Was gibt ihm diese Frau? Was sie hat, habe ich auch. Was habe ich weniger als sie?"

"Warte mal, Schwester! Hast du denn gar keine Schuld? Hast du mal über eure Beziehung und 

eure Art zu leben nachgedacht?" 

"Natürlich habe ich das. Wenn ich aus der Fabrik komme, gehe ich noch zum Putzen. Dann 

mache ich zu Hause den Haushalt, ich wasche und bügele seine Kleidung, ich mache sein Bett 

und sein Essen; auch wenn ich vor Müdigkeit oder Krankheit mal nicht kann, weise ich ihn 

niemals ab, wenn er mich möchte. Ich habe weder seinen Stolz noch seine Ehre verletzt. Was 

kann eine Frau mehr für ihren Mann tun?" nachdem sie dieses gesagt hatte, blickte sie, wie ein 

hilfloses Kind, das Hilfe erwartet, ihrem Gegenüber in Gesicht.

" Nein, meine Dame, das reicht nicht um eine Familie zusammenzuhalten. Schau doch mal in 

deine Umgebung. Du hast einen Fernseher zu Hause stehen, sieh dir verschiedene Filme und 

Theaterstücke an und denk darüber nach ..." 

"Wie kann man denn das Familienleben mit dem in den Filmen gleichgesetzt werden?"  "Es kann, 

Schwester. Natürlich läuft das wirkliche Leben nicht ganz so bunt wie den Filmen ab. Aber es 

gibt dennoch Ähnlichkeiten." 

"Was für welche?" 

"Schau dein Mann, der Herr Ömer, ist jemand der das Leben liebt. Er liebt Raki und gute 

Unterhaltung. Er hat Humor, sobald er anfängt zu reden, krümmen sich alle in seiner Umgebung 

vor lachen. Du musst in seiner Sprache sprechen, mit Humor musst du ihn zum lachen bringen, 

einen Weg zur Unterhaltung eröffnen." 

"Bin ich Schauspielerin oder seine Ehefrau?"

Sevgi nahm zwei tiefe Züge von ihrer Zigarette. Ihre Augen glitten zum Fenster. Ihre Blicke 

blieben an zwei Vögeln hängen. Der eine setzte sich auf einen Ast. Der andere erhob sich mit 

schnellen Flügelschlä- gen in Lüfte. Sie schaute ihm hinterher, bis sie ihn nicht mehr sehen konnte. 

Sie schaute zu Feride, die noch immer auf eine Antwort wartete. Ihre Augen waren mit Tränen 

gefüllt.

"Lass diese unnötigen Worte sein, Schwester, und denk mal lieber nach. Entweder wirst du ein 

Teil deines Mannes oder du bereitest dich auf eine Trennung vor. Wenn du deinen Mann liebst, 

ihn glücklich machen möchtest und deine Ehe retten möchtest, musst du dich auch, wenn nötig, 

wie eine Schauspielerin Verhal- ten. Vergiss nicht jeder Mensch ist nur ein Schauspieler in 

der Gesellschaft, in der er lebt. Um akzeptiert zu werden, möchte man , dass über das, was 

man gesagt hat, nachgedacht wird. Die Menschen stehen Schlange um das Schauspiel zu sehen, 

dessen Thema sie wirklich in einer ordentlichen Zusammenfassung sehen möchten. Du musst 

dich so kleiden und benehmen, wie dein Mann dich sehen möchte. Du musst ihn soweit bringen, 

dass er dich jeden Augenblick, den er von dir getrennt ist, vermisst .."

"Deiner Meinung nach, weiß ich also nicht wie ich geliebt werden und gefallen kann?"

"Außer, dass ich Sozialarbeiterin bin, bin ich zuerst einmal deine Freundin.  Nimm es mir nicht 

übel, aber wenn ich ein Mann wäre und dich jeden Tag so verwahrlost und in diesen Fetzen 

sehen müsste, hätte ich auch bald genug. Ich würde mir eine Frau suchen, die weiß wie man 

sich kleidet, sich die Haare frisiert, meinen Tisch schmückt, mir in jedem Bereich Freund und 

Partner sein kann"   

"Du kennst doch unsere Gesellschaft, wie kannst du bloß so etwas sagen? Wenn man sich etwas 

nach seinem eigenen Geschmack kleidet, sich die Haare frisiert und offen trägt, setzen sie tausend 

Gerüchte in die Welt. Sie sagen 'bist du denn nicht Moslem?'  Du kannst dich dann nicht vor den 

ganzen Gerüchten der Umgebung und der Verwandtenretten. Denkst du denn, ich möchte mich 

nicht wie ein ordentlicher Mensch anziehen? Welche Frau möchte schon mitten im Sommer, wie 

ein Schafshirte in diese Fetzen steigen. Aber was willst du machen; die Zunge der Umgebung 

sollte abbrechen. Sie hindert uns an all unseren Wünschen..."   

" Oh nein, dieses Milieu erschafft ihr selber. Auch ich komme aus deinem Land, ich teile die 

gleiche Religion und spreche die gleiche Sprache. Es gibt eine sehr schöne Volksweisheit `Jedes 

Schaf wird an seinem eigenen Bein gehängt`. Jeder Mensch sollte über seine Lebensart selbst 

bestimmen. Aber es ist ein natürliches Recht jedes Menschen, von den gegebenen Möglichkeiten 

zu profitieren, sich ordentlich zu kleiden, gut zu unterhalten und menschenwürdige Beziehungen 

zu unterhalten. Keiner hat das Recht, in dieser Beziehung ein Urteil über andere zu fällen und 

über diese zu reden.

Wenn sie das nicht wissen, sollen sie es lernen. Ich bin nicht gezwungen, wie ein asozialer Mensch 

zu leben. Wenn jemand so wie die Menschen aus dem vierten oder fünften Jahrhundert leben und 

sich so kleiden möchte, soll er es tun. Aber er hat nicht das Recht, das gleiche von mir zu 

verlangen.

Wenn ich dem anderen dieses recht gebe, über mich zu reden, dann bin ich auch nicht in meiner 

Persönlichkeit weiter entwickelt, ich liege dann sogar weit hinter dem anderen zurück. Schau, 

daher rührt dein Problem. In deinem Mittelalterverständnis versuchst den anderen zu ähneln. Dein 

Mann möchte sich in die Arme eines Lebens, das er natürlicherweise sucht und vermisst, werfen. 

Du hast dann auch keine Recht so einen Aufstand zu machen."

"Der Mensch kommt nur einmal auf die Welt. Dabei stehen der Wunsch nach des eigenem 

Lebensstil und der Leidenschaft im Vordergrund. In der Zeit, in der Abgrund zwischen Mensch 

und Ausbeutung größer wird, beginnt die Krise, man erlebt dann täglich das wahre Unglück. 

Dabei sucht der Mensch immer nach glücklich Momenten, oder bevorzugt die Erinnerung danach. 

Ich persönlich erinnere mich nicht gern an Traurigkeit erzeugende Momente oder spreche darüber. Das größte Geschenk, das man seinem Geliebten machen kann, ist das Herz. Man kann es zwar nicht 

rausholen und dem anderen reichen, aber es gibt Verhaltensweisen und Wörter, die beweisen, 

dass man sein Herz überreicht. Egal wie groß die Reue nach begangenen Fehlern ist, was bringt 

es, wenn das Glas zerbrochen ist. Herz, Liebe, Respekt sind wie Glas. Wenn es zerbricht, 

ist alles vorbei. Wenn du mich fragen solltest ' Ist das alles eine Suche?', ist meine Antwort: 

Vielleicht ein Weglaufen wie vor einer Krankheit, vielleicht eine Befreiung vor dem Schlechten 

und Erleichterung...  Denk nach, denk gut nach, Schwester."

Als die Kuckucksuhr ertönte, die an der Wand hing, schauten beide auf die Uhr. Feride zog 

das Kopftuch, das auf ihren Schultern lag. Faltete es zusammen und verstaute es in ihrer 

Handtasche. Dann stand sie auf, umarmte Sevgi und küsste sie.

"Ich glaube, du hast Recht. Ich werde nicht mehr putzen gehen. Ich muss den Herrn Ömer daran 

erinnern, dass ich hübscher und talentierter bin als dieses Weibsstück. Niemand kann das Junge 

vor den Augen der Löwin berühren; das muss er wissen ..." sagte sie.

Beim rausgehen knallte sie die Tür mit all ihrer Kraft zu. Das ganze Gebäude wurde gerüttelt. 

Die Fensterscheiben quietschten. Sie machte sich auf den Weg zur Bank, sie mochte eine grobe 

Rechnung für all das, das sie kaufen wollte. Sie hob Geld von ihrem Konto ab, und ging gleich 

in das erste große Kaufhaus. Sie probierte einige Kleidungsstücke an. Jedes Mal, wenn sie sich 

vor den Spiegel stellte, überlegte sie, welcher Schauspielerin sie ähnelte. Zum Schluss stellte sie 

in einem Kleid eine Ähnlichkeit mit Türkan Soray fest. Das erfreute sie. Türkan Soray war die 

Lieblingsschau- Spielerin von Ömer. Bevor sie das Kleid auszog, suchte sie noch nach passenden 

Schuhen. Die Verkäuferin kümmerte sich sehr intensiv um Feride. Es war erstaunt, dass in diesen 

Kleidern so eine hübsche Frau zum Vorschein gekommen war. Feride suchte sich noch eine Hose 

aus. Die Verkäuferin brachte eine passende Bluse und eine Jacke dazu.

"Diese deutschen Frauen sind alle die gleiche fettige Plage. Sie können mit ihrer Zunge sogar den 

Teufel vom Weg abbringen. Schau' die mal an, wie viel tausend Wege sie versucht nur um mir ihre 

Sachen zu verkaufen. Mädchen, ich weiß doch besser als du, was mir steht," wollte sie sagen, hielt 

doch inne und betrachtete die Verkäuferin.

"Seit Jahren mache ich den Dreck der Deutschen weg. Nun sollen sie auch einmal ein bisschen mir 

dienen. Auch der Herr Ömer soll mal sehen, dass ich viel hübscher als die meisten Weiber hier bin. 

Männer suchen nach gut angezogenen und sich wiegenden Weibern. Aber die Weiber sind auch 

nicht ohne, unser Volk sagt nicht umsonst 'Wenn die Hündin mit dem Schwanz wedelt, läuft auch 

der Hund hinterher " dachte sie.

"Wenn sie möchten, können sie die Sachen anbehalten. Wir können dann ihre Sachen einpacken," 

sagte die Verkäuferin. Sie begleitete Feride zur Kasse.

"Ich glaube, diese Verkäuferin ist jemand, die ihre Arbeit und die Menschen liebt. Mit welchen 

Recht hege ich überhaupt Vorurteile gegen sie?" überlegte sie.

Bei Verlassen des Kaufhauses bedankte sie sich bei der Verkäuferin. Seit dem sie in dieses Land 

gekommen war, ging Feride zum erstenmal mit gehobenem Kopf. Sie betrachtete die Kleidung 

der auf der Straße laufenden Menschen.

"So, nun bin ich auch angezogen wie ihr. Der einzige Unterschied ist, dass ich dunkel und etwas 

hübscher als ihr bin," dachte sie. Als sie Zuhause ankam, sah ihre Nachbarin Astrid sie vor dem 

Haus und rief:

" Oh, du siehst sehr gut in den Kleidern aus, sehr schön ..."

Feride stellt sich, in der Wohnung angekommen, gleich vor den Spiegel und drehte sich einpaarmal 

hin und her wie ein Modell. Anschließend zog sie ihre Jacke aus und hing sie auf. Sie packte ihre 

neuen Sachen in den Kleiderschrank, legte sich dann auf das Sofa und ruhte sich etwas aus. Mit 

dem Geräusch der Uhr kam sie zu sich. Eilig kochte sie drei verschiedene Gerichte und machte 

zwei verschiedene Salate dazu. Sie schmückte geschmackvoll den Esstisch. Mit Sorgfalt stellte sie 

eine Flache Raki und zwei Gläser auf den Tisch. Als sie ein letztes Mal den Tisch betrachtete, 

stellte sie fest, dass ihr Tisch nicht schlechter gedeckt war als der aus den Filmen.

" Auch ich kann den Tisch, den ein luxuriöses Restaurant deckt, decken. Herr Ömer, du wirst 

von nun immer an einem solchen Tisch mein Gast sein. Du wirst mit mir anstoßen," sagte sie laut.

Sie freute sich, dass niemand da war, der diese Worte hätte hören können.

"Achte nicht darauf mein Herz, achte nicht darauf, es ist ein trüber Tag, er wird vergehen" fing sie 

an zu singen.

Lange läutete die Klingel. Ömer hatte sich angewöhnt seinen Schlüssel rauszuhalten und die Tür 

selbst aufzuschließen. Mit der Wendigkeit eines Rehs ging Feride auf die Tür zu. Als sie auf den 

Sommer drückte, bemerkte sie, dass ihre Hand zitterte. Sie versuchte sich zu beruhigen. Ihr Haar 

ließ sie voll auf ihre Schultern fallen. Mit dem Näherkommen der harten Schritte Ömers schlug 

auch ihr Herz immer schneller. Als Ömer reinkam war er erstaunt. Er betrachtete Feride sehr lange, 

und lachte.

"Nimm es mir nicht übel, Weib, aber es gibt doch ein Sprichwort 'Dieser Esel gehört wohl uns, 

aber wem gehört der daraufgelegene Sattel?' Gibt es heute etwas besonderes, von dem ich nichts 

weiß?"

"Du siehst Ömer, ich habe mich verändert. Ich habe mich entschlossen, von nun an wie du das 

Leben zu genießen. Ich werde mit Liebe zu dir, zu mir und zur Welt leben."

Ömer stellte seine Tasche auf den Boden, zog sich die Schuhe aus und wartete auf seine 

Hausschuhe. Als er merkte, dass sie ihm nicht angeboten werden, nahm er sie selber aus dem 

Schuhschrank. Als er in Wohnzimmer ging sah er durch die offene Küchentür den gedeckten Tisch. 

Er traute seinen Augen nicht.

"Hoffentlich hat das etwas gutes zu bedeuten. Entweder dreht die Frau total durch, oder wir werden

durch sie noch zu leiden haben." überlegte er.

Er konnte sich nicht entschließen, wie er sich verhalten sollte. Ein ihm unbekanntes Gefühl und 

Schweiß überkam seinen Körper. Er ließ sich auf den Sessel fallen. Feride stellte sich ihm 

gegenüber und lief ein paar Mal wie ein Modell vor ihm her.

" Wie ist es, mein lieber Ömer? Gefallen dir meine neuen Sachen? Warum sagst du denn nichts?"

"Sie stehen sehr gut. Lass uns etwas essen, ich muss mich noch mit Laz Ahmet treffen ..."

"Das Essen ist fertig, aber heute gehst nirgendwo hin. Rufe ihn an und sag ihm, was du zu sagen 

hast." sagte Feride. Sie beugte sich zu Ömer und hielt ihn an den Händen fest. Wie ein Kind zog 

sie ihn.

Auf dem Flur umarmte sie ihn, küsste ihn auf den Mund, auf das Gesicht, küsste und küsste und 

küsste ihn. Ihre Lippen zitterten und ihre Tränen liefen wie aus dem Wasserhahn.

"Ich habe Angst," sagte sie, "Ich habe Angst dich zu verlieren. Ohne dich kann ich nicht leben. 

Ich werde niemanden, der dich mir wegnehmen will leben lassen. Versteh' mich, ich habe Angst..."

Sie waren noch nicht neunzehn, als sie sich zum ersten Mal an Brunnen im Dorf getroffen hatten. 

Sie hatten beide nicht in der Nacht schlafen können. Am nächsten Tag hatten sie sich Briefe 

geschrieben. Beide erinnerten sich in dem Moment daran. Ömer fand kein Wort, dass er hätte 

sagen können. Er nahm sie in den Arm und ging mit ihr in die Küche. Sie setzten sich am Tisch 

gegenüber. Als das erste Glas ausgetrunken war und Feride nachfüllte, sang sie leise " Solange 

ich lebe, werde ich dich nicht fremden überlassen". Ihre Stimme erhob sich. Ömer bemerkte zum 

ersten Mal, dass Feride eine schöne Stimme hatte. Auch er fing an zusingen. Ein Lied zog das 

andere hinter sich her. Es wurde spät.

"Was möchtest du morgen Abend essen; möchtest du Raki oder eine französischen Wein?" 

fragte Feride.

Feride blickte in seine Augen. Wie verzaubert, konnte Ömer seinen Blick nicht von ihren Augen 

abwenden.

"Wir gehen morgen zusammen chinesisch essen," antwortete er.

Wie ein Raubvogel ein Vogel greift, griff er nach Feride, brachte sie ins Schlafzimmer und warf 

sie auf das Bett. Als sie ihren Kopf auf die Schultern ihres Mannes legte, dachte sie:

" Ich glaube, ich habe es geschafft. Wir haben es geschafft, Schwester Sevgi..."

Ihre Augen waren wieder feucht, aber es waren Tränen der Freude, des Erfolges, des Glücks...

 

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