Startseite / Anasayfa       Künstlerhaus     Sanatçılar Evi                           
     

                Biografie     Gedichte     Erzählungen      Artikel                     Bilder      

                 Yaşam        Şiirler            Öyküler          Makele/deneme      Resim /Fotoğraflar

 Deutsch        Türkisch      

 

                                                               Seite von Molla Demirel

 
 
   
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ich gebe Dich nicht Fremden

 

Sevgi saß allein in der Beratungsstelle. Draußen war der Himmel mit Wolken bedeckt. Ihr Herz 

wurde durch das trübe Wetter mit Unbehagen gefüllt. Sie zeichnete irgendwelche Figuren auf den 

Kalender, der vor ihr auf dem Tisch lag. Ihre Augen und Ohren waren an der Tür. Sie hoffte, 

dass jemand kam und sie von diesem unbehaglichen Gefühl und der Einsamkeit befreit wurde.

Feride öffnete langsam die Tür und kam herein. Ohne zu grüßen, setzte sie sich gleich auf den 

ersten Stuhl. Wie das Wasser einer geöffneten Schleuse flossen ihr die Tränen aus den Augen. 

Sie versuchte sich die Tränen mit dem Tuch, dass sie um ihren Kopf gebunden hatte, abzuwischen

 und sie vor Sevgi zu verheimlichen. Aber vergeblich, denn Sevgi beobachtete das Geschehen, 

während sie weiterzeichnete, durch ihr dunkelblondes Haar, das in ihr Gesicht gefallen war. Sie 

sollte sich ausweinen, das würde sie beruhigen und anschließend könnte man sich dann in Ruhe 

unterhalten, überlegte sie.

"Ach, wenn ich doch auch nur so schluchzend weinen könnte. Vielleicht würde mich das dann von

meinem Unbehagen erlösen. Ich kann es nicht. Manche Menschen sind wie Theaterschauspieler, 

sie können weinen und lachen, wann immer sie es möchten. Wann habe ich denn das letzte Mal 

geweint?" Nach diesem leisen Murmeln, nahm sie ihr Haar in die Hand und wickelte es um ihren 

Finger. Sie versuchte sich an vergangene Tage zu erinnern. Das Bild des braungebrannten jungen 

Mannes aus Urfa mit dem Adlerblick glitt am Fenster vorbei und stellte sich vor sie.

"Ach, mein Liebling, schon wieder du? Mein kurdischer Mustafa, als ich deine Todesnachricht 

erhielt, weiß ich nicht, wie viel Wochen, wie viel Monate, wie viel Tage und Nächte ich geweint 

habe. Ich habe aber nun einen Strich unter das Weinen, den vergangenen Erinnerungen und den 

mit Liebe gefüllten Tagen gezogen.

Vielleicht ist Weinen das Ergebnis von Hilflosigkeit und Schwäche. Verzeih mir.

Die Entmutigung und dich habe ich aus meinem Heft radiert. Aber die Einsamkeit bedrückt mich. 

Bedrücken ist einfach gesagt. Ich habe Angst, wenn ich allein bin.

Wie sehr wollte ich damals die Einsamkeit, um in Ruhe weinen zu können. Aber ich weine nicht 

mehr. Ich denke ab und zu an dich. Was hattest du damals gesagt?

”Liebe ist nur in unserem Herzen Liebe. Wenn der Mensch sie sich vorstellt, beteiligt man sich an 

etwas und wird für den Moment schaffend. Wenn man erschaffend ist, verliebt man sich. 

Jemanden zu lieben, ist eigentlich nichts anderes als sich einem anderen geliebt zu machen.”

” Ja, das hast du gesagt. Wenn ich doch zu weinen vergessen habe, habe ich dich wirklich geliebt, 

hast du mich geliebt oder haben wir uns, wie du betont hast, selbst geliebt?

Ich stelle mir oft diese Frage. Ich finde die Antwort nicht. Komm' doch eines Nachts in mein 

Zimmer. Löse diese Verworrenheit in meinem Kopf. Bring mich von neuem in die Helligkeit ..." 

sagte sie. Sie holte sich eine Schachtel Zigaretten aus ihrer Schublade.

Sie wollte gerade Feride eine Zigarette anbieten, erinnerte sich aber daran, wie sehr Feride 

Rauchen hasste und zog ihre Hand, wie wenn sie sie von einem Feuer zurückziehen würde, 

zurück. Sie nahm einen tiefen Zug. Den Rauch pustete sie gegen das Fenster. Der Rauch 

hinterließ einen Grauschleier an der Scheibe, danach verwandelte sich der Rauch in verschiedene 

Formen. Eine der Formen erinnerte sie an einen weglaufenden Hirschen.

"Es besteht eine Ähnlichkeit zwischen einem Hirschen, der von Berg zu Berg läuft, um zu 

überleben, und den Menschen, die vor ihren Sorgen weglaufen und die, um sich ihr Brot 

verdienen zu können, von Land zu Land, von Stadt zu Stadt ziehen." dachte sie.

Sie schaute noch einmal zum Fenster und lächelte als sie das Bild des Hirschen nicht mehr sehen 

konnte.

"Unsere Ahnen sagten nicht umsonst 'Aus Eis wird keine Villa' ", murmelt sie.

Sie zerdrückte ihre Zigarette im Aschenbecher. Sie stand auf und ging zu Feride. Sie legte ihre 

Hände auf Ferides Schulter und massierte sie leicht. Das Kopftuch stellt ein Hindernis für ihre 

Hände dar, sie zog es von Ferides Kopf runter und ließ es auf ihre Schultern fallen. Sie streichelte 

mit einem mütterlichen Verhalten über Ferides schwarzes, glänzendes Haar. Sie bemerkte zum 

ersten Mal, dass unter diesem dunklen Haar ein sehr hübsches und einem lieblichen Gesicht eines 

Kindes gleichendes Gesicht steckte.

"Was fegen diese Fetzen deine Schönheit hinweg? Du achtest nicht auf dein Aussehen, du siehst 

aus, wie eine Bettlerfrau ", wollte sie sagen, doch sie bemerkte wie die Tropfen, die silbern 

glänzten, auf ihrer Wange runterrollten. Sie schluckte. Mit ihrer Hand wischte sie Ferides Tränen 

weg.

" Hör auf zu weinen, sage mir doch was dich so bedrückt." 

"Was mich bedrückt, Schwester ? Meine Ehe geht in die Brüche. Die Männer sind doch alle so 

undankbar. Eine Hure hat dem Mann den Kopf verdreht. Was sie hat, habe ich auch. Wenn es 

ihm gelüstet, zieht er mich ins Bett, oder beschimpft oder schlägt mich. Soviel ich kann, diene ich 

ihm. Was möchte er denn mehr. Was hat dieses deutsche Weibsstück mehr als ich?"

"Halte mal Feride! Rede offen, mein Liebling. Warum geht deine Ehe kaputt. Möchte dein Mann 

sich von dir scheiden lassen?"

"Nein, nein, das hat er nicht gesagt, aber ich habe es mit eigenen Augen gesehen. Mitten in der