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Karl
und seine Freunde
Karl
schellte früh am Morgen. Die ganze Familie Kaya wurde vom
Klingeln wach. Emine rieb sich
die
Augen und stand auf. Um die Tür zu öffnen, drückte sie auf den
automatischen Knopf für die
Außentür.
"Wer
ist das wohl so früh am Samstagmorgen?" fragte sie sich.
Karl rannte die Treppe zum zweiten
Stock
hoch. Dabei wurden auch die Nachbarn der Kaya's durch seine
Schritte wach.
"Wir
sind durch den Lärm der Ausländer wach geworden. Die Kinder
lassen uns keine Chance,
Samstags
lange zu schlafen. Auch wenn man es tausendmal sagt,
sie verstehen es nicht. Wenn sie
nur
aus diesem Haus verschwinden würden. Sie haben diese dreckigen
Schwarzköpfe mit ihren
Kindern
einziehen lassen; als wenn es keine Deutschen geben würde",
sagte Frau Schuster.
Karl
streckte seine Hand nach der Tür aus, die einen Spalt geöffnet
war. Als er sie weiter öffnete,
sah
er die Mutter von Jusuf im Morgenrock hinter der Tür stehen. Auf
einmal stoppte er und wußte
nichts
zu sagen. Es war so, als hätte er seine Zunge verschluckt. Emine
sah Karl scharf an. Sie war
sauer,
weil sie so früh gestört worden war, sie hatte heute lange
schlafen wollen.
"Dieses
Kind läßt unsere Kinder nicht in Ruhe. Was versteht er denn von
unseren, das verstehe ich
nicht.
Ich habe Angst, dass unsere Kinder, wenn sie groß sind, wie die
Deutschen ihre Eltern nicht
anerkennen.
Wenn man mit einem weisen Pferd zusammenlebt, bekommt man von ihm
seine Farbe
oder
Art," dachte sie bei sich.
Dann
hielt sie die Hand des Kindes fest, das sie anblickte.
"Was
ist Karl? Hast du unser Kind, Jusuf, im Traum gesehen? Heute ist
Samstag, du hast keine
Schule,
warum schläfst du nicht länger?"
Als
Karl Emine vor der Tür gesehen hatte, war ihm so, als hätte er
einen Schock erlitten. Er wußte
nicht
wie er antworten sollte. Ohne einen Laut von sich zu geben,
schaute er in Emines Augen. Sie
wiederholte
ihre Frage noch einmal.
Emine
sah, dass sie keine Antwort bekommen würde. Dann kniff sie nervös
in seine Hand.
"Möchtest
du etwas? Rede doch Karl!"
Karl
lächelte ungewollt, er zuckte zusammen und schaute zu Boden.
"Weißt
du, Tante Emine, Murat ist heute aus der Türkei gekommen. Er war
doch der beste Freund
von
Jusuf und mir. Sein Vater hatte ihn doch in der Türkei gelassen,
jetzt sind sie wieder zurück-
gekommen;
das wollte ich Jusuf nur berichten."
"Ach
so ist es, die Nachbarn sind aus dem Urlaub zurück. Schwester
Zehre hat Murat zurückgeholt.
Wie
ist es, geht es ihm gut? Warte mal, sollte Murat nicht dort zur
Schule gehen?"
Da
Emine selbst Mutter ist und sehr gern möchte, dass ihre Kinder
lernen, ist sie nicht damit
einverstanden,
wenn Kinder dauernd Schule und Land wechseln.
"Sie
spielen mit der Zukunft des Kindes," sagte sie zu sich
selbst.
"Dem
geht es gut, der ist schön braungebrannt. Nur mochte er die
Schule dort nicht, deshalb hat er
sehr
geweint. Die Eltern
haben es nicht ausgehalten und ihn deshalb zurückgeholt. Wir
haben uns
sehr
gefreut. Glaub mir, ich habe mich sehr
gefreut und Jusuf wird sich auch freuen."
Emine
mißfiel der Satz:
"Er
mochte die Schule dort nicht", er störte sie sehr; ihr
Gesichtsausdruck änderte sich.
"Wer
hat das gesagt? Hat Murat dir das gesagt? Wollte er nicht von
seinen Eltern getrennt sein
oder
mochte er die Schule nicht?"
Karl
war es, als verstände er, was in ihr vorging. Er lachte. Er
schaute Emine ins Gesicht und
streichelte
ihre Hände.
"Ich
weiß, du magst Kinder, die fleißig sind und gerne in die Schule
gehen. Murat war auch sehr
fleißig,
aber er mochte die Lehrer dort nicht. Sie schlagen unschuldige
Kinder und beschimpfen sie.
Er
konnte sich auch nicht an die Kinder in der Schule und im Viertel
gewöhnen, er war ihnen immer
fremd.
Sie nannten ihn "Deutscher Murat" und wenn sie böse
waren "Deutsches Kind". Das tat ihm
innerlich
weh. Außerdem träumte er Nachts immer von seiner Mutter, seinem
Vater und von uns,
seinen
Freunden. Wenn er wach war, setzte er sich aufs Bett und weinte.
Seine Großmutter, sein
Großvater
und seine Onkel waren auch sehr traurig darüber. Sie wollten,
dass er nach Deutschland
zurückkehrte."
"Die
Lehrer schlagen die Kinder,"
- bei diesen Worten mußte Emine an ihre Kindheit denken.
Als
sie
am zweiten Tag in der Grundschule mit ihren Freunden spielte, fiel
Fatma hin und ihre Zähne
bluteten.
Der Lehrer gab ihr die Schuld daran und schlug sie. Sie fing mit
neun Jahren die
Grundschule
an. Schon in diesem Alter benahm sie sich wie ein jugendliches Mädchen.
Es verletzte
ihren
Stolz, dass ihr Lehrer sie vor 60 Mitschülern schlug. Als sie
abends nach Hause kam, sagte
sie
zu ihrer Mutter:
"Eher
will ich sterben, als in diese Schule gehen."
Ihr
Vater bat sie sehr, aber sie weigerte sich und ging nie wieder
dort hin. Sie dachte an diese Tage.
Sie
dachte daran, dass sie nicht einmal ein Grundschulzeugnis hatte, während
ihre Freunde alle
Lehrer,
Ärzte, Ingenieure usw. wurden. Als sie dies verglich, wuchs in
ihr der Schmerz darüber,
wie
sehr sie unterdrückt worden war.
"Das
sind keine Menschen, sondern Eselskinder; das sind keine Lehrer,
sondern dreckige Sadisten."
Diese
Worte kamen über ihre Lippen und sie sagt es sehr hasvoll, ohne
es zu bemerken. In diesem
Moment
rannte Karl ins Zimmer von Jusuf. Jusuf schlief noch tief. Karl
sprang auf ihn zu und
streichelte
seinen Kopf unter der Decke.
"Was
ist los Karl, hat dich deine Mutter so früh aus dem Haus
geschmissen?" fragte Jusuf.
"Jusuf,
rate mal, was für eine Nachricht ich für dich habe, wer gekommen
ist?"
Jusuf
schien sagen zu wollen:
"Laß
mich in Ruhe mit deiner Nachricht und wer gekommen ist, aber dann
entschied er sich doch
anders.
Er schaute Karl in die Augen als wolle er sagen:
"Freund,
nun gib mir deine Nachricht!"
"Freund,
unsere Clique ist wieder zusammen, unsere Clique vom Kindergarten
ist wieder zusammen."
"Ist
Murat aus der Türkei zurückgekommen oder Sven aus Süddeutschland?"
Seine Augen leuchteten
und
er wurde wach.
"Du
hast alles erraten. Alle beide sind zurück. Jetzt sind wieder
zusammen, nur einer fehlt noch."
"Wer
ist es?"
"Bist
du aber ein Dummkopf! Wer soll es schon sein? Du bist es! Um die Lücke
zu füllen, haben sie
mich
zu dir geschickt. Deine Mutter soll es nicht Hören; sie warten
auf dich."
Emine
ging ins Badezimmer um sich zu waschen. In diesem Moment rief Jusuf:
"Mutter,
ich werde bei Karl und Murat frühstücken, warte nicht auf
mich!" und war wie der Blitz
draußen.
Sie schaute den Kindern nach.
"Mein
großer Gott, schau dir die Kinder an. Sie sind viel besser als
wir Erwachsenen. Wo wir uns
Ausländer,
Moslem oder Katholik nennen, sind sie Freunde. Sie kennen keinen
Unterschied.
Hoffentlich
werden sie immer so denken, auch wenn sie erwachsen sind, "
dachte sie.
Karl
und Jusuf rannten leicht wie die Vögel zum Spielplatz vor
der Kirche, wo ihre Freunde auf sie
warteten.
Jusuf
umarmte jeden einzelnen. Als er Sven umarmte, sagte er:
"Wie
groß du geworden bist; ich hoffe, dass unsere Clique im Armdrücken
immer gewinnen wird."
Sven
zeigte seine Muskeln.
"Sie
sind noch nicht so weit, dass ich mit dir kämpfen könnte, aber
ich habe viele Übungen gemacht,
damit
sie stark werden."
"Freunde,
die Aufgabe, die ihr mir gegeben habt, gebe ich nun dem alten
Leiter zurück. Ab jetzt soll
wieder
Murat unsere Clique leiten," sagte Bernd.
Murat
genierte sich schaute auf den Boden. Er überlegte einen Moment,
was er seinen Freunden
sagen
sollte, dann sagte er verlegen:
"Ich
bin jetzt neu gekommen, ich war eine Zeitlang weg. Mit meinen
Erinnerungen wollte ich immer
bei
euch sein. Alle Erinnerungen wollte ich lebendig erhalten. Als ich
hörte, dass Bernd Anführer
geworden
ist, habe ich mich sehr gefreut. Er soll weiter Anführer
sein."
Bernd
hielt Murat am Rücken fest und hob ihn hoch. Karl sprang auf und
nahm Murats Beine; beide
schaukelten
ihn. Die Freund riefen wie aus einen Mund dreimal:
"Murat
ist unser Führer!"
Dann
ließen sie ihn langsam zu Boden. Alle setzten sich leise. In
Jusufs Augen war Murat ein Held,
wie
im Märchen, er sah ihn voller Stolz an. Dann nahm er Murats Kopf
unter seine Achsel und
streichelte
ihn etwas. Bernd begann:
"Unsere
Clique ist wieder zusammen. Laßt uns, den Plan durchführen, den
wir gemacht hatten Diese
Woche
gibt es in unserer Stadt eine Kirmes. Wir wollen Sven und Murat
auf die Kirmes einladen
und
ihnen etwas ausgeben. Danach gehen wir ins Hallenbad...
Jetzt
holen wir aus der EKSG (Evangelisch-Katholische Studentengemeinde)
zwei Kisten, die wir zu
einem
Geschäft bringen müssen. Dort holen wir einige Sachen, dann
gehen wir."
Murat
zeichnete mit einem Stock, den er in der Hand hielt, ein Quadrat
auf dem Boden, er schluckte. Dann zeichnete er ein Minus in das
Quadrat. Die Freunde merkten, dass er damit sagen wollte:
"Ich
bin nicht dabei."
Bernd
schaute seine Freunde der Reihe nach an. Dann legte er eine Hand
auf Murats, die andere auf
Svens
Schulter.
"Wir
wissen, dass ihr beide neu gekommen seid. Da Murat jetzt aus der Türkei
gekommen ist, hat er
noch
kein Taschengeld gekriegt. Doch da wir wußten, dass ihr zurückkommt,
haben wir uns geeinigt, euch einzuladen. Wir haben Geld zum
Ausgeben gespart."
Murat
nickte einverstanden
"Wir
haben seit drei Monaten keine Kirmes mehr gesehen und haben
Sehnsucht danach," sagte Ralf.
"Ich
habe auch Sehnsucht nach den Autoscotern, den Schiffschaukeln, den
Flugzeugen usw., und
wenn
unser Geld reicht, können wir noch auf vieles mehr machen und uns
ausreichend amüsieren."
"Du
hast wohl die Schokoladenäpfel und Bonbons vergessen, die unsere
Gesichter rot machen,
nichts
macht mehr Spaß als das. Und wenn bei so einer Sache auch noch
unerwartetes Geld
dazukommt...,"
unterstrich Karl seine Rede.
Murat
verstand.
"Sie
haben das Geld nicht vom eigenen Taschengeld gespart. Sie hatten
früher aus Spaß ein paarmal
Geld
aus der EKSG-Kasse genommen, das werden sie wohl richtig
weiterentwickelt haben," dachte
er
bei sich. Er legte die eine Hand auf Bernds, die andere auf Ralfs
Schulter.
"Seid
mal ehrlich, habt ihr die Kasse der EKSG geplündert? Schaut, in
einer solchen Sache bin ich
nicht
dabei. Ihr wißt, dass dort Onkel Cetin arbeitetet. Ich habe es
einige Male mit euch gemacht,
doch
Cetin hat es meinem
Vater gesagt. Wir hatten gesagt, dass wir so einem dummen Mann
ruhig
die
Stifte vom Tisch und das Geld aus der Kasse nehmen könnten, er würde
es nicht merken. Aber
er
hatte es bemerkt und uns verfolgt. Mein Vater hat es mir bei der Rückkehr
erzählt. Ehrlich, ich
habe
mich sehr geschämt."
Bernd
und Ralf sahen sich in die Augen, dann sahen sie hilfesuchend zu
Karl hinüber. Er war auch
sprachlos
und schaute beschämt zu Boden. Martin rettete sie.
"Vergiß
die alten Tage Freund, sieh auf das Heute. Wir sind älter
geworden."
Um
das Thema zu wechseln, sang er das Lied "Los ins Vergnügen",
Bernd und Ralf stimmten ein.
Murat
hatte es auch wieder in Erinnerung und sang mit, die anderen
Freund auch. Sie erreichten
einen
guten Klang. Den Leuten, die vorbeigingen, gefiel es sehr. Nachdem
sie gemeinsam gesungen
hatten,
gingen sie und holten die zwei Kisten. Und brachten sie zum Geschäft.
Jusuf,
Martin, Joachim, Ralf, Yunus und Karl brachten sie ins Geschäft.
Bernd, Sven und Murat
setzen
sich vor dem Fenster der Eingangstür auf ein Holzbrett. Sie
schauten sich die Leute an, die an
der
Kasse bezahlten; ab und zu machten sie einen Witz, Sprüche unter
sich und lachten.
Joachim
ging von der Kasse weg, drehte ihr den Rücken zu. Er holte
Schokolade aus seiner Tasche
und
gab jedem ein Stück. Jusuf und die anderen Freunde hatten sich
ganz hinten an der Kasse
angestellt.
"Du
mochtest Schokolade sehr gern. Konntest du auch in der Türkei
Schokolade kaufen ?" fragte
Sven
Murat.
"Es
gab sie nicht. Die Schokolade von hier ist leckerer und das Lokum
dort war zu teuer, wir
konnten
es nicht immer kaufen."
"Man
kann nicht immer kaufen, Freund. Die Geschäfte verdienen genug.
Wenn die Kinder dort, so
wie
wir jetzt, ihren Teil insgeheim nehmen würden ... Die dreckigen
fetten Schweine haben ihre
Kassen
genug gefüllt. Sie denken nicht an
solche Kinder wie uns. Von Fest zu Fest bekommt man
nur
einen Luftballon, darauf sind ihre Bilder und Reklame."
Er
kaute und kaute das Stück Schokolade, aber er konnte es nicht
schlucken. Seine Augen wurden
groß
und in ihm wuchs eine Angst.
"Was!
Habt ihr sie geklaut? Schnell, wir gehen!"
In
diesem Moment hielt
Karl Murats Arm fest und schubste ihn nach vorn.
Sie
waren fast an der Tür, da schrie einer:
"Haltet
sie fest, laßt sie nicht los, fangt die ausländischen
Kinder!" ... Es sind Diebe, fangt sie !..
Schwarzköpfige
Diebe!.."
Murat
war über das Geschrei erstaunt. Er stand, als sei er
festgenagelt, die anderen rannten weg.
Einige
Leute rannten, um die Kinder zu fangen. Dann zeigte eine Frau, die
auf ihrem weißen Kittel
das
Schild des Geschäfts hatte, auf Murat.
"Er
war auch mit den weggelaufenen Kindern zusammen. Ich habe sie
gesehen, als sie vor dem
Fenster
zusammen waren."
Ein
dicker Mann stieß Murat und hab ihn an den Schultern hoch, dann
ließ er ihn schnell fallen, Er
hob
ihn auf und gab ihm einige Ohrfeigen. Dann trat er ihn einige Male
in den Hintern. Murat war es,
als
sie der ganze Himmel auf seinem Kopf. In seinen Augen glühte
Feuer, seine Tränen wurden zu
seinem
fließenden Bach. Eine Zeitlang schaute er in die Richtung, in die
seine Freunde gerannt waren.
Er
sah, wie Jusuf auf ihn zurannte - ohne nachzudenken rannte Jusuf
zurück - er hörte die
Bremsgeräusche
des roten Autos und den Schrei von Jusuf.
Auch
er schrie, ohne es zu wollen: "Jusuf!"
Er
wollte zu ihm rennen, doch der dicke Mann hielt seinen Arm wie in
einer Zange. Er versuchte,
sich
zu befreien und schrie nochmals: "Jusuf, Jusuf!"
Der
Mann zog ihn ins Büro des Geschäftes. Mit seiner ganzen Kraft
schubste er Murat zu Boden
und
schloß die Tür. Der Mann, der im Büro schrieb, legte seinen
Stift weg und stand hastig von
seinem
Stuhl auf.
"Ihr
dreckigen Diebe, ihr dreckigen Schwarzköpfe, was müssen wir nur
wegen euch machen. Ihr
seid
gekommen und stört hier die Ordnung. Auch wenn ihr hier geboren
seid, aus dreckigen
Schwarzköpfen
werden keine Menschen. Schaut ihn euch an. Von der Schlange wird
natürlich
eine
Schlange geboren..."
Murat
sah die beiden Männer voller Haß an.
"Ich
bin kein Dieb. Ich habe Ihnen nichts geklaut. Ich bin kein Dieb,
ihr seid Diebe..."
Murat
wollte weiter reden, aber durch den Schlag des blonden Mannes fiel
er zu Boden. Der Mann
rief
mit dem Telefon, das auf dem Tisch stand, die Polizei an.
Nach
kurzer Zeit kamen zwei Polizeibeamte. Sie durchsuchten Murats
Taschen. Sie schauten in seine
Strümpfe
und Schuhe. Sie fanden nichts. Der starke Polizist hielt ihm am
Kopf und sagte:
"Mach
den Mund auf, du dreckiger Mensch!"
Er
öffnete seinen Mund und man sah, dass er Schokolade gegessen
hatte.
"Ja,
man sieht, dass dieser Dieb Schokolade geklaut und gegessen hat.
Sein Mund ist voll
Schokolade
von dem dreckigen...", sagte der dicke Polizist.
Der
dünne lange Polizist sagte langsam und mit leiser Stimme:
"In
den Taschen und Händen des Jungen haben wir nichts gefunden. Wie
sollen wir ihn denn
festnehmen?
Ich schlage vor, wir bringen ihn nach Hause und reden mit den
Eltern."
Der
dicke Polizist war nicht einverstanden.
"Wir
nehmen ihn mit und bringen ihn zur erkennungsdienstlichen
Abteilung, dort lassen wir
Fingerabdrücke
und Photos machen. Die Eltern sollen dorthin kommen."
Der
junge Beamte kam zum Tisch und sah Murat. Traurig sagte er:
"Bitte
sehen sie, das ist doch noch ein Kind. Er ist neu hier
hergekommen, er kann nicht stehlen.
Wir
brauchen ihn nicht mitzunehmen. Wir bringen ihn nach Hause und
sprechen mit den Eltern. Ich
hoffe,
dass der Inhaber, Herr Meierhoff , meinem Vorschlag zustimmt. Das
Kind hat Schläge
bekommen,
seine Lippen sind aufgeplatzt. Es hat große Angst. Ich glaube,
dass das letzten Endes
nicht
gut für uns ist, und für die, die das Kind geschlagen
haben."
Murat
merkte erst jetzt,
als der junge Polizist es sagte, dass seine Lippen aufgeplatzt
waren. Durch
den
Schock, den er bekommen hatte, spürte er es nicht.
Der
junge Polizist wollte seinen Kollegen aufrütteln, er
wollte verhindern, dass er den unschuldigen
Jungen
verurteilte. Er wollte nicht, dass der Name eines unschuldigen
Kindes in die Polizeiakten
kommt.
Er wollte es verhindern. Gleichzeitig wollte er das Personal und
den Leiter des Geschäftes
darauf
aufmerksam machen, dass sie ein unschuldiges kleines Kind, nur
weil es ein Ausländer war,
geschlagen
hatten.
Der
Geschäftsleiter bekam etwas Angst, da er begriff, war der junge
Beamte aufgezeigt hatte.
"Ja,
Herr Polizeimeister, diesmal wollen wir dem dreckigen schwarzköpfigen
Kind verzeihen, aber
reden
sie bitte mit den Eltern. Wir werden es auch tun. Auf diesem Wege
können wir seine Freunde
finden
und mit ihnen reden. Wenn sich so etwas wiederholen sollte, werden
wir uns beschweren.
Dieser
Junge ist zwar auch ein Dieb, aber diesmal verzeihen wir
ihm."
"Ich
bin kein Dieb, " murmelte Murat.
Der
junge Polizist kam zu ihm und strich über seine Haare, er holte
ein Taschentuch und putzte ihm
damit
den Mund ab. Bei sich dachte er:
"
Wie kann man nur so einem süßen Kind etwas antun?"
Der
Leiter des Geschäftes und sein Kollege sahen ihn böse an. Dann
sagte der ältere Polizist zu
dem
Kind:
"Los
jetzt, gehen wir zu dir nach Hause!" Er zog ihm am Arm.
Als
sie die Außentür erreicht hatten, sagte er:
"Lassen
wir das Kind, es soll nach Hause gehen. Es hat viele Schläge
bekommen. Bei dem Kind,
das
den Autounfall hatte, hat man auch nichts gefunden. Sie sind keine
Diebe; weil sie Ausländer
sind,
sind sie in Panik geraten und abgehauen. Der andere wurde ins
Krankenhaus gebracht.
Lassen
wir ihn doch nach Hause gehen. Wenn wir mit ihm gehen, bekommt er
anschließend auch
noch
von seinen Eltern Schläge. Wenn die Nachbarn uns mit dem Kind
sehen, werden sie es und
seine
Eltern mit Vorurteilen anblicken. Das sind auch Menschen, ich
bitte Sie, lassen sie den Kleinen,
er
ist unschuldig."
Sie
ließen Murat frei. Er rannte zu der Stelle, wo Jusuf den Unfall
hatte. Er sah die harten
Bremsspuren,
Blutspuren waren keine da.
"Bitte
lieber Gott, Jusuf soll nichts geschehen! Bitte lieber Gott, hilf
du ihm!" betete er.
Heute
erlebten die Kinder einen unerwarteten Vorfall. Sie verteilten
sich wie Sommersprossen.
Auf
diesem Wege haben Murat und Jusuf Schmerzen erlitten.
Jusuf
hatte sich gerettet, er kam nur zurück, als es sah, dass Murat
Schläge bekam. Was passierte,
ist
passiert. Damit sein Freund nicht weiter geschlagen würde,
rannte er ohne aufzupassen auf die
Straße.
Er wollte sagen, dass Murat kein Dieb sei und ihm helfen.
Gott
sie Dank, dass der Fahrer rechts ausgewichen war und gebremst
hatte. Weil Jusuf so schnell
gelaufen
war, konnte er nicht stoppen; er stürzte auf die Stoßstange und
dann mit dem Gesicht auf die Straße. Als er fiel, spürte er
einen Schmerz im Bein
und blieb liegen. Der Fahrer stieg aus und wollte ihn vom Boden
aufheben. Jusuf konnte nicht auf dem Bein stehen und fiel um. Der
Fahrer nahm ihn auf den Arm, er ließ sein Auto
stehen
und brachte ihn mit einem Taxi ins Krankenhaus. Dieser unerwartete
Vorfall bereitete den
Kindern
und Eltern viele Sorgen.
"Diese
Migranten Kinder verführen unsere Kinder zum Stehlen," sagte
Svens Mutter. Sven, Karl
und
Bernd widersprachen, sie erzählten, wie es gewesen war.
Sie
gingen zur Mutter von Jusuf und entschuldigten sich, sie schickten
ihm häufig Geschenke.
Als
Jusuf im Krankenhaus Schmerzen spürte, erfuhren die Eltern von
den Freunden, dass ihre Kinder
Lust
am Klauen hatten. Da sie das aus Spaß taten, hatten sie nicht darüber
nachgedacht, dass ihre
Eltern
es erfahren, sich
schuldig fühlen und Sorgen machen würden. Sie wollten sich nur
miteinander
vergnügen
und hatten nicht gedacht, dass sie einen schlechten Weg
einschlugen.
An
diesem Tag war ihr Plan ins Wasser gefallen und sie hatten ihren
geliebten Freund Jusuf aus dem
Schlaf
geweckt. Jusufs Bein war an vier Stellen gebrochen, es bestand
Gefahr, dass es amputiert
werden
müßte.
Jeden
Tag ging einer und besuchte Jusuf. Sie halfen ihm, damit er nichts
in der Schule versäumte
und
brachten ihm immer die Hausaufgaben. Jeden Tag machten sie
gemeinsam Schularbeiten. Als
sie
das Bein von Jusuf immer in Gips sahen, schworen sie sich, nie
wieder eine solche Sache zu
machen.
Karl weinte oft innerlich um Murat und Jusuf, die von diesem
Vorfall betroffen waren,
weil
er sie so früh am Morgen geweckt hatte.
"Wenn
ich sie nicht geweckt hätte, sie nicht gerufen hätte, wäre all
dies nicht passiert."
Die
Mutter von Jusuf beschuldigte Karl und die anderen Kinder nie,
obwohl in ihr morgens eine
Angst
wuchs.
"Kinder
passen sich immer an, manchmal tun sie etwas, ohne lange
nachzudenken. Manchmal
stehen
sie unter dem Einfluß der Filme, sie möchten sie nachmachen. Ich
hoffe, dass dieser
Vorfall
ihnen eine Lehre sein wird. Ich hoffe, dass sich nie in ihrem
Leben eine so schlimme Sache
wiederholt."
Dies
war auch allen anderen Kindern eine Lehre. Sie hatten gelernt,
dass schlimme Sachen schlimme
Folgen
haben.
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