Startseite  / Anasayfa        Kunsthaus-Göynük      Evrensel Sanatçılar Evi 
 

                Biografie     Gedichte     Erzählungen      Artikel                     Bilder      

                 Yaşam        Şiirler            Öyküler          Makele/deneme      Resim /Fotoğraflar

 Deutsch        Türkisch      

 
                                              
 
 
   
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Weiße Bilder:

 

Schritte, man hört Schritte. Nur wenige. Sie mehr.

Oft schaut sie sich um in diesen engen Gassen. Gassen die sie kennt, heute ihr so fremd.

Nicht vergessen hat sie die Bilder.

Und Jetzt ? Nein, da war wieder nichts. Sie irrte. Ihre Blicke gingen wieder Start nach vorne.

Sie hatte nichts ahnend den Fernseher eingeschaltet, bevor sie zur Bekannten ging.

Der Schein der Laternen konnte den Nebel, der über den Straßen hing, diese bedeckte, kaum durchdringen. Dennoch sah sie wie sich eine Haustür schloss. Nun war sie allein. Sie erhöhte ihr tempo, sah sich wieder und wieder um.

Hinter ihr bogen Lichter ein. Das Auto fuhr an ihr vorbei, verschwand an der nächsten Ecke.

Wieder kamen die Bilder. Die Bilder des brennenden Hauses, der grölenden Masse.

Sie hörte Schritte, fing an hastig zu atmen, drehte sich um.

Das Gesicht im fernsehen gesichert im Polizeiauto war so schwarz wie sie.

"Dunkler" dachte sie.

Sie blickte sich wieder um, zwei vielleicht drei Männer sah sie hinter sich, mit dumpfen, schnellen Schritten kommt

Sie rannte. Rannte fast an ihrem Haus vorbei. Hastig, plötzlich beruhigt zog sie ihren Schlüssel aus der Hosentasche. Die Schritte waren verschwunden.

Sie konnte nicht schlafen diese Nacht. Immer wieder kamen die Bilder, nicht des Gesichtes, der Masse, des Feuers, andere erschienen.

Weiße Bilder.

Sie inmitten der Anderen, eine von ihnen, doch dann die Finger, die begannen auf sie zu zeigen, sie zu ergreifen. Die Finger huschten über ihr Gesicht, wurden richtig Weiß, sie Schwarz, ließen sie nicht mehr los.

Immer und immer diese Bilder, sie konnte sich nicht dagegen wehren, nicht gegen die Bilder, nicht gegen die Finger.

( ... )

"Komischer Bus", dachte sie, als dieser vor ihren Füßen hielt.

Die rote Werbung des Busses mißfiel ihr. Sie stieg ein. Ein, zwei, drei Reihen hinter dem Fahrer setzte sie sich hin, blickte aus dem Fenster, sah ein Polizeiauto auf der Gegenüberseite herfahren.

"Komisch", dachte sie, damals war Cola ein Zeichen von Reichtum. Damals, zu Hause.

Der Polizeiwagen bog ab, hielt vor der Polizeiwache. Es war eine kleine Polizeiwache. Die Polizisten stiegen aus.

Heute fürchtete sie sich nicht. Warum auch? Es war spät, aber noch hell. Es war ein schöner Abend.

Vom Nebel war nichts mehr übriggeblieben. Von dem Haus im Fernseher auch nicht. Alles war wie vorgestern.

Die Gassen schienen ihr heute nicht mehr so eng, vertrauter. Hinter ihr bog ein Auto ein, "so wie Gestern ".dachte sie.

Sie hörte laute Musik aus dem Wagen, bemerkte nicht, dass der Wagen immer langsamer fuhr, anhielt. Sie hörte die Türen zuknallen, hörte Schritte, Stimmen.

Sie öffnete ihre Augen, leicht. Die Wand, die sie erblickte, war weiß. Sie bewegte ihren Kopf leicht nach Links, ein Fenster, bewegte ihren Kopf nach Rechts, ein Bett.

Sie schloss die Augen, öffnete sie wieder. Sie sah etwas vor sich. Etwas grünes.

Sie blickte auf, sah eine grüne Mütze, die gerade von einer Hand vom Kopf abgenommen wurde.

Sie erkannte, das war ein Polizist. Sie versuchte sich aufzurichten.

" Bleiben sie liegen ", sagte er. Sie betrachtete ihn noch einmal, sah ihm ins Gesicht, erschrak. Es war Schwarz. " Ich bin Herr ......., für sie einfach nur Sammy". Sie sah, wie sich rechts eine Tür öffnete, zwei Frauen kamen rein, beide in Weiß.

"Sammy komm mal her" hatte der 'Dicke' gesagt, es ihm erzählt.

"Warum ich?" hatte er absichtlich gefragt, "dafür sind wir nicht zuständig".

" Naja weisst du Sammy", hatte er gesagt," wießt du die dachten das sei vielleicht besser, wenn du, ich mein demnächst sind Wahlen weißt du und die Bürgermeisterin kann sich den Vorfall nicht leisten, verstehste ?"

Er verstand.  

"Komisch", hatte sie gedacht im Bus. Sie dachte nicht oft an die Heimat.

Ihre Heimat? Sie wusste nicht. Als Kind war sie dort aufgewachsen, einige Schwestern hatte sie, einige Brüder.

Sie war nicht die Jüngste, nicht die Älteste. Anstrengend, aber dennoch gut war es gewesen, in der Kindheit. Sie konnten leben, nicht alle aus der Familie. Drei Geschwister starben. Zwei an Krankheiten, einer durch die Kugel.

Keine Pläne hatte sie, bis sie ihren Zukünftigen traf, den Weißen, der gekommen war um zu helfen. "Hure" wurde sie beschimpft, ausgestoßen, als es begann. Freunde, Nachbarn wurden zu Gegnern. Aber nun war sie hier, in der neuen Heimat.

Sammy hatte eigentlich soviel zu tun. Blumenstrauß für Mutter kaufen, Geschenk für Freundin abholen. Es war Valentinstag und die Freundin hatte auch noch Geburtstag, zu allem Überfluss musste er noch zwei Fässer Bier für die Party besorgen.

Gut, dass die Geschäfte bis 20:00 Uhr offen haben, dachte er.

Wenigstens hatte er sich schon auf dem Weg zur Polizeiwache rasiert. Das sparte Zeit.

Immer und immer wieder schaute er auf die Uhr, auf dem Weg zum Krankenhaus. Seine Partnerin war nicht sehr gesprächig heute. Noch nicht einmal ein Blümchen hatte sie von Sammy gekriegt. Obwohl sie angeblich auch gar keine Blume erwartete.

Er ärgerte sich über das Auto vor ihm, dass langsam fuhr, nicht darüber, dass er zum Krankenhaus musste, weil er Schwarz war. Das störte ihn scheinbar nicht, war ihm scheinbar egal.

Weiß oder Schwarz, interessierte ihn wirklich nicht.

Aber nur wegen der Bürgermeisterin dahin ? Die mochte er nicht einmal. Er war ihr einmal begegnet. "Typisch CDU", war ihm rausgerutscht. Später hatte er vom Dicken Ärger bekommen, der Dicke vom Polizeipräsidenten.

" So langsam, nur weil wir Bullen hinter ihm sind", sagte er. Seine Partnerin lächelte leicht. Er fand ihr lächeln süß, sie hatten schon zusammen die Ausbildung gemacht. Wie oft hatte er schon "Bulle" gehört, sogar gesagt, störte ihn nicht. "Nigger" schon.

Seine Partnerin, Judith, war Sprite holen gegangen, als sie aufwachte. Sprite, sein Lieblingsgetränk. Zumindest während der Dienstzeit Er legte sein breites Grinsen auf, dass seine Freundin liebte.

"... für sie einfach nur Sammy".

Hinter der Ärztin und der Krankenschwester, kam Judith rein.

"Endlich", dachte sie, als die Ärztin die Aufgewachte durchgecheckt hatte und die Befragung erlaubte.

Die Befragung ging flott. Sie hatte keinen erkannt, wusste nicht warum, erstattete Anzeige gegen Unbekannt, schien alles gut verkraftet zu haben, konnte trotz der Knochenbrücke schon wieder Lächeln. In Wahrheit war nichts mehr wie vorher.

 Sami machte die Befragung nichts aus, Judith schon. Sie bewunderte Sammy, dass er alles so locker nehmen konnte, bewunderte ihn, hatte es schon immer getan. Dabei, so locker nahm er gar nicht alles. Er hatte nur die Kraft sich nicht alles anmerken zu lassen. Das wusste sie.

Wusste, dass er die Befragung locker nahm, aber nicht, dass sie, weil Schwarz, verprügelt wurde...

 

  06.09.97

 

 

von  buch Der Traum der Liebe ( Sevgi)

  Sanatyapım Yayınları . Ankara

     Verlag Anadolu
     Hückelnhoven- Deutschland
 
 
 
 

                       Zurück zu Inhaltsangabe Erzählungen -------------->

 

 
 

 

  

 

                                                                              E-Mail: MollaDemirel@gmx.de

                       Erzählungen