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Wir
brauchen alle Toleranz
wir
haben das Weihnachtsfest und Sylvester hinter uns
gelassen. Bald erleben wir das Ramazan-Fest und
danach Opfer-Fest. Wir wünschen allen Menschen
alles Gute, und daß auch in diesen Festtagen alle
Menschen keinen Unterschied zwischen den Kulturen,
Konfessionen und Hautfarben machen. Wir, die wir aus
der Türkei gekommen sind,
wir wissen, daß auch heute noch in der Türkei
und in den umgebenden Ländern Chaos herrscht und
Krieg geführt wird. Die großen Waffenlieferanten
haben ihre Hände nicht aus der ehemaligen
Sowjetunion, aus dem Irak, aus Jugoslawien und vom
Balkan und den Ländern des Nahen Ostens zurückgenommen.
Der Krieg in Jugoslawien kann auch noch in alle
anderen Balkan-Staaten überspringen. Diese Angst
herrscht noch in uns. In der Türkei herrscht heute
noch eine Art von
Anarchie gestütst durch Unmoral, Korruption
und politische Unterdrückung.
In
diesem neuen Jahr können wir auch nicht von den
europäischen Ländern viel Gutes sagen, wir, die in
diesen Ländern leben. Durch die Auflösung der
Sowjetunion hat sich das soziale System in unseren
europäischen Ländern verändert. Es besteht kein
konkretes politisches Gegenüber mehr. Aus diesem
Grund werden die hiesigen sozialen Leistungen für
die Bevölkerung beschnitten. Wenn gestern 5
Personen eine Arbeit geleistet haben, müssen heute
3 Personen die gleiche Arbeit tun. Von einigen
Gruppen wird der Bevölkerung erzählt, daß durch
den Zuzug von ausländischen Mitbürgern die hiesige
Arbeitslosigkeit stark vergrößert wird. Diese
Aussagen verstärken die nationalistischen Ideen,
besonders unter den Jugendlichen. Die Leittragenden
dieser nationalistischen Ideen sind in erster Linie
die ausländischen Mitbürger. Alleine die 2 Mio.
Menschen aus der Türkei, die unter die Deutsches
volks leben, haben heute Angst, alleine auf die Straße
zu gehen, weil sie nationalistische Übergriffe befürchten.
Sie werden beleidigt und angegriffen und sind die
ersten, die ihren Arbeitsplatz verlieren.
Die
Regierung redet über Menschenrechte. Seit 35 Jahren
leben ausländische Mitbürger unter uns, die 4.
Generation ist hier geboren und trotzdem werden sie
immer noch als Ausländer angesehen. Sie sind zwar
an die gleichen Pflichten gebunden wie ihre
deutschen Mitbürger, Ihnen stehen jedoch immer noch
nicht die gleichen Rechte zu. Die Verantwortung im
Umgang miteinander kann nicht nur auf die jeweilige
Regierung abgewälzt werden. Jeder Bürger sollte
sich fragen, was er für die Gesalschaft gemacht
hat.
Wenn
in ein Land Chaos herrscht, dann sollte jeder Bürger
sich selbst fragen: „Was habe ich gegen dieses
Chaos unternommen?“ Die Verantwortung im Umgang
miteinander kann nicht nur auf die jeweilige
Regierung abgewälzt werden.
Ein
Beispiel: An einem Tag geht eine Person zu einem
Bektaschie und fragt: „Warum hat Gott unsere Welt
mit Bergen und Tälern, Meeren und Wüsten
erschaffen?“ Der Bektaschie nimmt einen Schluck
Wein und antwortet: „Gott hat die Welt in 6 Tagen
so erschaffen! Seit vielen millionen Jahren leben
Menschen auf dieser Erde. Was haben sie in dieser
langen Zeit verbessert?“ Diese Antwort des
Bektaschie kann uns eine Perspektive bieten. Natürlich
können wir die Welt nicht in eine ebene Fläche wie
einen Teller verändern.
Wenn
wir aber wirklich den Frieden wollen und mit den
Menschen in Freundschaft leben, könnten wir einen
Weg finden.
Warum
können wir gemeinsam unsere kulturellen Feste
feiern und eine gute nachbarschaftliche Beziehung
untereinander nicht aufbauen. Wir können
verschiedenen Lebenssituationen Toleranz entgegen
bringen. Arbeitslosigkeit,
Fehler in der Erziehung, Sprachlosigkeit ist auf den
Mangel an Toleranz zurückzuführen.
Auch
die Minderheiten reagieren empfindlich, auf Druck
von außen. Sie sollen nicht alleine nur auf ihre
Probleme schauen, sondern auch sehen, daß diese
Probleme fast alle Gesellschafts schichten
betreffen.
Menschen,
muslimischen Glaubens, die wirklich in dieser
Gesellschaft miteinander in Frieden leben und eine
gemeinsame gute Zukunft aufbauen wollen, die sollen
ihre Frauen und Kinder nicht von dieser Gesellschaft
fernhalten.
Der
islamische Philosoph Hachi Bektaschie Veli hat Mitte
des 16. Jahrhunderts auf seine Haustür geschrieben:
„Wenn ein Volk seinen Frauen keine Bildung ermöglicht,
wird das ganze Volk immer Sklaven anderer Völker
bleiben.“ Der Prophet Mohammed sagt: „Wenn in
China Wissenschaften gelehrt werden, sollt ihr
hingehen, um zu lernen!“
Der Schwiegersohn Mohammeds, Ali , sagte:
„Wer mir auch nur ein Wort beigebracht hat,
dem bin ich 40 Jahre lang dankbar dafür.“
Leider nehmen sich einige Menschen diese Worte nicht
zu Herzen. Sie lassen ihre Frauen in Unkenntnis. Es
ist besser, darüber nachzudenken, was die Weisen
gesagt haben.
Es
gibt nur den einzigen Ausweg aus dieser jetzigen
Situation, indem wir unserer nächsten Generation
eine gute Ausbildung zuteil werden lassen. Dieser
Weg kann uns helfen, die Ängste, die
Arbeitslosigkeit
und alle anderen Unannehmlichkeiten
mindestens teilweise zu überwinden.
Wir
sollten eine neue Generation erreichen in der man
Menschen achtet, und mit liebe überzeugt.Um
Toleranz und Frieden zu schaffen, muß man erst den
Mensch als Menschen ansehen. Der einzelne Mensch ist
gläubig oder nichtgläubig. Er betet oder betet
nicht. Das Wichtigste ist, daß er sich von seinem
Egoismus befreit , um tolerant mit seinen
Barmherzigkeit mit menschen umzugehen. Yunus Emre
(14. Jahrh.) ruft alle Menschen auf,
folgendes zu bedenken:
„Der
Mensch sagt mir: Du betest nicht / Ich weiß selbst,
zum wem bete ich sollen Ob ich bete oder nicht / Nur
Gott weiß, wie ich bete“
Diese
Zeilen von Yunus Emre sagen uns, daß sich zwischen
dem Menschen und Gott keine dritte Person stellen
soll. Gleichzeitig sagen diese Zeilen, daß kein
Mensch dem anderen Leid zufügen darf. Wer einem
anderen Menschen Unrecht getan hat, soll sich an den
Feiertagen dafür entschuldigen. Er wird dann den Haß
in seinem Herzen überwinden.
Die Liebe zwischen den Menschen wird dann
lebendig werden, wenn Vergebung erfolgt. Die
Menschen unterschiedlicher Hautfarben, Sprachen und
Kulturen werden aufeinander zugehen. Sie werden sich
gegenseitig einladen und einander umarmen.
Bei
diesem aufeinander Zugehen der verschiedenen
Kulturen, Sprachen und Meinungen könnte dieses der
Weg zum Paradies sein. Imam Huseyin (Ende 6. Jahrh.)
sagte: „Die Festtage und der Sylvester zum
Jahreswechsel sollen
zum Anlaß genommen werden, damit die Barmherzigkeit
über den Haß siegt.“
Ein
unterbewußter Wunsch aller Menschen kommt zu dem
Resultat, daß man nur im Frieden zusammenleben
kann. Jeder kann sich selbstkritisch im Spiegel
betrachten um sich zu fragen, was tue ich eigentlich
für die Gesellschaft und für den einzelnen
Menschen? Danach
kann er sich an seiner positiven Seite erfreuen und
versuchen, sich von dem Negativen zu befreien, um
dies für die Zukunft zu beherzigen.
Wie
wir gemeinsam das letzte Sylvesterfest gefeiert
haben, können wir zukünftig alle Feiertage
gemeinsam als Deutsche, Türken, Kurden, Griechen, Spanier usw. feiern, uns
gegenseitig als Menschen Toleranz entgegenbringen.
Wir können nicht verstehen, warum nur an den
Feiertagen Liebe, Toleranz, Barmherzigkeit gezeigt
wird und an den anderen Tagen nicht.
Wir
wünschen sehr, daß die Zeilen von Yunus Emre im
Alltag aller Menschen eine Perspektive sein kann.
„UNSERE
GEDANKEN SIND HUMAN
UNSERER
FEIND IST DER HASS
WIR
HASSEN NIEMANDEN
FÜR
UNS SIND ALLE MENSCHEN GLEICH!
Wir
denken auch wie Yunus. Warum sollten in
unserer Gesellschaft nicht alle Menschen
die
gleichen Rechte haben?
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